Full text: Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

Kapitel III. Die Pessimisten. 
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verschieben aber eine Besprechung seiner anderen Theorien, besonders 
der über die Bodenrente, bis die Untersuchung der Ideen Ricaedo’s 
uns Gelegenheit gibt, darauf einzugehen (S. 159). 
Das Bevölkerungsgesetz. 
Zwanzig Jahre waren seit dem Erscheinen des unvergänglichen 
Werkes A. Smxth’s verflossen, ohne daß die Nationalökonomie einen 
Schritt weiter getan hätte, als ein kleines anonymes Buch ei schien, 
das sogleich ziemliches Aufsehen erregte; man erfuhr bald, daß sein 
Verfasser ein Landpfarrer sei. Ein Jahrhundert ist vergangen, und 
seine Wirkung ist noch nicht schwächer geworden. Auf den ersten 
Blick könnte man glauben, daß es nur entfernt mit der National 
ökonomie zu tun habe, da sein Inhalt sich mit der Bewegung der 
Bevölkerung befaßt, mit dem, was wir heute Demographie nennen. 
Aber erstens hat sich diese neue Wissenschaft, deren Schöpfer Malthus 
ist, erst später vom Stamme der Nationalökonomie abgezweigt. Dann 
aber werden wir finden, daß der Einfluß seines Buches auf alle volks 
wirtschaftlichen Theorien, auf die von der Erzeugung sowohl wie 
auf die von der Verteilung der Güter, außerordentlich gewesen ist. 
Man kann es als eine Entgegnung auf das Werk A. Smith’s an 
sprechen, dessen Titel, wie James Bonae geistreich bemerkt, mit einer 
kleinen Änderung ebensogut auf das anonyme Buch Malthus’ gepaßt 
hätte: „Untersuchungen über die Ursachen der Völkerarmut.“ 
Schon* die Tatsache, daß er zur Erklärung der volkswirtschaft 
lichen Erscheinungen einen neuen Faktor heranzog, der der Biologie 
entlehnt war, und daß er einen neuen Trieb ins Treffen führte, der nicht 
das Selbstinteresse oder das Streben nach Profit war, erweiterte den 
Horizont der Nationalökonomie ganz bedeutend und* kündigte das 
Kommen der Soziologie an.* Bekanntlich hat Daewin selbst zuge 
geben, daß der Ursprung der berühmtesten wissenschaftlichen Lehre 
des 19. Jahrhunderts, der des Kampfes ums Dasein als Auswahl des 
Tüchtigsten und Triebfeder des Fortschrittes, ihren ersten Anstoß 
aus dem Buche Malthus’ empfing. 
Man darf nicht etwa glauben, daß die dem Menschengeschlechte 
aus einer unbegrenzten Vermehrung der Bevölkerung möglicherweise 
erwachsenden Gefahren die Aufmerksamkeit keines Schriftstellers vor 
Malthus erregt hätten. ' In Frankreich hatten sich schon Buffon 
und Montesquieu damit beschäftigt.’ 'Im allgemeinen sah man aber 
eine zahlreiche Bevölkerung stets als vorteilhaft für ein Land an 
aud glaubte, daß die Bevölkerung auf natürliche Weise durch die 
Menge der Nahrungsmittel geregelt werde, und daher Übervölkerung
	        
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