Kapitel III. Die Pessimisten.
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wird man mir entgegenhalten, daß Niemand, der sich verheiratet, die
Zahl seiner Kinder Voraussagen kann, und ob er nicht mehr als sechs
haben wird. Das ist unbestreitbar“ (8. 570).
Worin soll nun diese moralische Enthaltsamkeit bestehen?
Hierauf antwortet er: „Enthaltung von der Ehe, zusammen mit
keuschem Lebenswandel, nenne ich moralische Enthaltsamkeit“ (8.14).
ln einer Anmerkung bemerkt er noch, um jedes Mißverständnis aus
zuschließen: „Ich verstehe unter moralischer Enthaltsamkeit die,
welche jemand hinsichtlich der Heirat aus einem Klugheitsgrunde
übt, solange sein Lebenswandel während dieser Zeit durchaus
moralisch ist. Ich habe mich in diesem Werke bemüht, nie von
dieser Auslegung abzuweichen.“ Es ist also klar; es handelt sich um
völlige Enthaltsamkeit von jedem geschlechtlichen Verkehr außer der
Ehe, um das Hinausschieben der Ehe selbst bis zu einem Zeitpunkt,
wo der Mann imstande ist, die Verantwortlichkeit für eine Familie auf
sich zu nehmen, oder sogar um vollständigen Verzicht auf die Ehe,
wenn dieser Zeitpunkt nie eintritt.
Man sieht hieraus, daß Malthus durchaus die Mittel verwirft,
deren Verbreitung heute von denen angestrebt wird, die sich auf ihn
berufen: er verurteilt die, welche die freie Ausübung des geschlecht
lichen Verkehrs, sei es außer, sei es in der Ehe befürworten, indem
sie ihn absichtlich steril gestalten. Die Anwendung jedes Präventiv
mittels bezeichnet er als Laster, im Gegensatz zur moralischen Ent
haltsamkeit. Malthus ist in diesem Punkte sehr kategorisch: „Ich
weise jedes künstliche und den Naturgesetzen zuwiderlaufende Mittel
zurück, durch das man die Bevölkerung beschränken möchte. Die
Hemmungen, die ich befürworte, sind mit der Vernunft in Über
einstimmung und vor der Religion gerechtfertigt“ (8. 616). Und er fügt
die für Frankreich wahrhaft prophetischen Worte hinzu: „Es wäre zu
leicht und zu einfach, das Wachstum der Bevölkerung sogar völlig
aufzuhalten, und damit würde man in den entgegengesetzten Fehler
verfallen.“
Es ist kaum nötig darauf hinzuweisen, daß, wenn Malthus den
ehelichen Präventivverkehr verwirft, er mit noch größerem Nachdruck
gegen jenes andere Präventivmittel auftritt, das in der Einrichtung
einer besonderen Klasse weiblicher, der Prostitution verfallener Wesen
besteht 1 ). Mehr noch hätte er jene Mittel verworfen, von denen zu
b „Die Prostitution, die allerdings der Bevölkerungsverroehrung Abbruch tut,
zieht gleichfalls eine Schwächung der edelsten Herzenseigenschaften und eine Er
niedrigung des Charakters nach sich. Jeder andere ungesetzliche Geschlechtsverkehr
wirkt ebensosehr wie die Ehe auf ein Wachstum der Bevölkerung hin (wenn man
nicht Mittel anwendet, die die Moral verwirft), läßt es jedoch viel wahrscheinlicher
ei scheinen, daß die Kinder der Fürsorge der Gesellschaft zur Last fallen“ (S. 476).