Full text : Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

Kapitel  III.  Die  Pessimisten.

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zu  kennen,  die  Stelle,  wo  Tuegot  sagt:  „es  ist  selbstverständlich,
daß,  im  Maße  wie  die  Bewirtschaftung  sich  ausdehnt,  der  jährliche
Zuwachs  des  Durchschnittsertrages,  ständig  geringer  wird“  r ).  Eicardo
sah  dies  Gesetz  unter  seinen  Augen  in  Kraft.  Oft  spricht  er,  wenn
auch  etwas  dunkel,  von  der  Verringerung  im  Ertrage  der  Kapitalien,
die  nach  und  nach  in  den  gleichen  Boden  gesteckt  werden.  Er  weist
darauf  hin,  daß  sogar  in  diesem  Falle,  d.  h.  ohne  daß  neue  Landstriche ­
  in  Bearbeitung  genommen  werden,  die  Bodenrente  in  Erscheinung ­
  tritt.
In  der  Tat,  wenn  wir  bei  unserem  Boden  Nr.  I  bleiben,  der  das
Getreide  zu  10  Fr.  den  Hektoliter  erzeugt,  uud  wenn  wir  annehmer^/)
daß  wir  versuchen,  im  Falle  die  Bedürfnisse  eine  Erhöhung  des  Ernteertrages ­
  notwendig  machen,  den  Ertrag  bei  Nr.  I  zu  erhöhen,  anstatt
Boden  Nr.  II  urbar  zu  machen,  so  werden  wir  hierbei  nichts  gewinnen. ­
  Denn  die  neuen  Hektoliter,  die  auf  dem  Boden  Nr.  1  erzeugt ­
  werden,  werden  15  Fr.  kosten,  genau  wie  die  vom  Boden  Nr.  II,
und  ihr  Preis  wird  den  Marktpreis  bestimmen:  der  Preis  eines  jeden
Hektoliters  wird  daher  auf  15  Fr.  steigen,  und  der  Besitzer  wird  ebenso
eine  Bodenrente  beziehen,  weil  seine  zwei  Hektoliter  sich  zum  gleichen
erhöhten  Preise  verkaufen,  nämlich  15  plus  15  gleich  BO  Fr.,  obgleich
sie  ihm  doch  nur  10  plus  15  Fr.  gleich  25  Fr.  gekostet  haben  2 ).

dem  auf  sie  ausgeübten  Druck  größeren  Widerstand  entgegensetzen  und  ein  Gewicht,
unter  dem  sie  am  Anfang  um  einen  Zoll  nachgegeben  hätte,  wird  sie  nur  noch  um
eine  halbe  Linie  biegen.  So  wird  die  Wirkung  beständig  geringer  werden.“
„Dieser  Vergleich  ist  zwar  nicht  ganz  genau,  genügt  aber,  um  verstehen  zu
lassen,  wie  es  kommt,  daß  auch  eine  sehr  hohe  Kostenanfwendung  den  Ertrag  nur
sehr  wenig  steigern  kann,  wenn  der  Boden  nahe  an  die  Grenze  seiner  Ertragsfähigkeit ­
  gelangt  ist.“
Der  durchdringende  Geist  Tuegoi’s  hat  damit  eine  in  den  Darlegungen  der
klassischen  Ökonomisten  gewöhnlich  unbeachtet  gebliebene  Tatsache  hervorgehoben,
nämlich,  daß  es  am  Beginn  der  Bodenbewirtschaftung  eine  Periode  des  Optimum
gibt,  während  der  der  Ertrag  mehr  als  proportional  ist.
')  Bemerkenswert  ist,  daß  das  Gesetz  des  sinkenden  Bodenertrages  (Loi  du
rendement  non-proportionnel)  sich  schon  in  der  zweiten  der  beiden  berühmten  Progressionsreihen ­
  Malthus’  findet,  denn  die  arithmetische  Eeihe,  die  er  als  Maßstab
des  Wachstums  der  Lebensmittel  gibt  —•  1,  2,  3,  4,  5,  6,  7,  8,  .  .  .  100,  usw.  setzt
natürlich  ein  um  so  langsameres  Wachstum  voraus,  je  höher  die  Keihe  steigt,
d.  h.  die  Zeit  fortschreitet.  Ein  Peld  gibt  z.  B.  einen  Ertrag  1;  in  25  Jahren  2
oder  100  °/ 0  mehr,  was  nichts  besonders  wunderbares  hat,  weil  es  in  die  erste  Zeit
der  Bewirtschaftung  fällt.  Am  Ende  einer  zweiten  Periode  von  25  ist  der  Ertrag
gleich  3;  die  Vermehrung  ist  immer  gleich  1,  aber  die  Proportion  ist  jetzt  nur  noch
60  %;  so  fällt  das  Wachstum  auf  33°/ 0 ,  25  °/ 0 ,  20°/ o  und  am  Ende  der  100.  Periode
nach  2500  Jahren  beträgt  es  nur  noch  1  %  nnd  wird  stetig,  wenn  auch  immer  langsamer, ­
  geringer.
2 )  Die  von  Ricakdo  gegebene  Erklärung  ist  in  eine  etwas  andere  Eorm  gekleidet. ­
  „Wenn  ein  Pächter  aus  seinem  Land  mit  einem  Kapital  von  1000  Pfund
            
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