Full text : Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

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Kapitel  III.  Die  Pessimisten.
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molekularen  Kräfte,  noch  unendliche  Hilfsmittel  in  Reserve  halten.
Für  die  ^Pandwirtschaftliehe—Industrie  ist  das  aber  nicht  der  Fall.
Auch  wenn  man  annimmt,  daß  der  Boden  durch  Stickstoff,  der  aus  der
Luft,  oder  durch  Phosphate,  die  aus  der  Erde  stammen,  andauernd
bereichert  werden  kann,  so  wird  man  doch  offenbar  stets  an  die  zeitlichen ­
  und  räumlichen  Grenzen  gebunden  bleiben,  die  die  Entwicklung ­
  aller  Lebewesen  einschränken  und  die  ebenfalls  für  die  landwirtschaftlichen ­
  Erzeugnisse,  die  ja  auch  nichts  anderes  als  Lebewesen ­
  sind,  Geltung  haben.  An  dem  Tage,  an  dem  die  industrielle
Herstellung  von  Eiweiß  zur  Tatsache  geworden  sein  wird,  wird  sich
die  Theorie  Eicahdo’s  überlebt  haben.  Bis  dahin  aber  bleibt  sie  in
voller  Kraft  bestehen.

§  2.  Das  Gesetz  des  Lohnes  und  Profites.
Wenn  wir  jetzt  die  beiden  vorhergehenden  Gesetze,  das  der  Bevölkerung ­
  und  das  der  Bodenrente,  in  Beziehung  zueinander  setzen
und  fragen,  welchen  Einfluß  sie  auf  die  Lage  des  Arbeitenden  und
auf  seinen  Lohn  haben,  so  ergeben  sich  wenig  günstige  Aussichten.
Der  Arbeiter  sieht  sich  auf  der  einen  Seite  durch  zügellose  Vermehrung ­
  dem  Druck  einer  wachsenden  Zahl  von  Proletariern  ausgesetzt, ­
  wodurch  notwendigerweise  eine  Entwertung  der  Arbeitskraft
herbeigeführt  wird,  denn  auf  irgendeine  Verringerung  der  Zahl  der
Proletarier  infolge  des  moralischen  Enthaltsamkeitszwanges  ist
kaum  zu  rechnen;  —  auf  der  andern  Seite  lastet  auf  ihm  die  Notwendigkeit, ­
  ständig  weniger  fruchtbare  Felder  in  Bewirtschaftung
zu  nehmen,  wodurch  eine  stete  Verteuerung  der  zum  Leben  unentbehrlichen ­
  Nahrungsmittel  eintritt.  So  findet  sich  der  Arbeiter
unter  dem  Drucke  zweier  antagonistischer  Kräfte,  dem  Sinken  des
Lohnes  und  dem  Steigen  der  Preise,  wie  zwischen  Hammer  und
Amboß  zermalmt.
Schon  Tuegot  hatte  jenen  schrecklichen  Satz  aufgestellt:  „In
jeder  Arbeitsart  muß  der  Fall  eintreten,  und  tritt  auch  wirklich  ein,
daß  der  Lohn  des  Arbeiters  sich  auf  das,  was  zur  Beschaffung  seines
Lebensunterhaltes  notwendig  ist,  beschränkt.“  Und  sein  Zeitgenosse
Neckke  hatte  in  noch  schärferen  Worten  gesagt:  „Wenn  man  ein
Nahrungsmittel  entdecken  würde,  das  weniger  schmackhaft  ist,  als
das  Brot,  jedoch  den  menschlichen  Körper  während  48  Stunden  unterhalten ­
  kann,  so  würde  das  Volk  bald  dazu  gezwungen  sein,  von
zwei  Tagen  nur  an  einem  zu  essen.“  Jedoch  waren  das  nur
einfache  Behauptungen,  die,  auch  wenn  sie  sich  vielleicht  auf  Beobachtung ­
  von  Tatsachen  jener  Zeit  stützen  konnten,  doch  nicht  den
Gide  und  Eist,  Gesch.  d.  Volkswirtschaft!.  Lehrmeinungen.  12
            
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