Kapitel III. Die Pessimisten.
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tut, — und so auch das Sinken des Profits, das ihn nicht weniger
beschäftigte, zum Stillstand bringt 1 ) (siehe oben S. 181—182).
Außer diesem doppelten Grunde zugunsten des Freihandels führt
er einen weiteren an, der ebenfalls heute^noch nichts von seiner
Kraft verloren hat; er ergibt sich aus dem wohltätigen Einfluß der
internationalen Arbeitsteilung: „Indem man auf diese Weise den
größtmöglichen Vorteil aus den Hilfsmitteln zieht, die die Natur
bietet, gelangt man zu einer besseren Verteilung und größerer Wirt
schaftlichkeit der Arbeit“ (S. 105). ’
* Es verdient hervorgehoben zu werden, daß sein berühmter Zeit
genosse Malthus mehr dem Schutzzölle zuneigte 2 3 * * ). ' Es mag das
eigentümlich erscheinen, denn Malthus, in seiner Furcht vor dem
Gespenst der Hungersnot, hätte doch einer ausländischen Getreide
einfuhr die Tore weit öffnen sollen. Zweifellos glaubte Malthus,
in Übereinstimmung mit unseren heutigen Agrar-Schutzzöllnern, daß
das sicherste Mittel, ein Land vor Hungersnot zu bewahren, nicht
darin liege, die nationale Landwirtschaft der Konkurrenz des Aus
landes auszusetzen, sondern im Gegenteil darin, sie zu stützen und
zu immer größerer Entfaltung zu bringen, indem ihr ein genügender
Preis für ihre Erzeugnisse gesichert wird. Auch muß darauf
hingewiesen werden, daß Malthus eine andere Theorie über die
Bodenrente vortrug, als Ricaeho, und besonders, daß er ein weit
weniger entschiedener Gegner des Interventionismus war 8 ).
' Ricaedo’s größte Leistung jedoch besteht darin, die Gesetze, die
die Bewegung der Waren und die gegenläufigen Strömungen des Z
Geldes von einem Lande in das andere beherrschen, aufgedeckt zu
haben und in dem glänzenden Nachweis, wie dieses Hin- und Zurück
fluten sich vollzieht. *
0 In einem seiner Briefe an Malthus (y. 18. Dez. 1814) schreibt er bedauernd;
„Wenn wir nnr eine Zone fruchtbaren Landes unserer Insel anfügen könnten, würden
die Profite nie fallen.“ Nun sollte gerade der Freihandel der Insel eine unbegrenzte
Zone fruchtbaren Landes anfügen, und dadurch gleichzeitig das Fallen der Profite
und das Steigen der Bodenrente verhindern.
In seiner Schrift über den „Schutz, der der Landwirtschaft zu ge
währen ist“ (1822), führt er aus, wie der Schutzzoll, der zur Bebauung auch der
unfruchtbarsten Flächen des einem Volke gehörenden Bodens zwingt, notwendiger
weise die Getreidepreise und die Bodenrente in die Höhe treibt. Er verlangt nicht
Aufhebung des Einfuhrzolles, sondern eine Ermäßigung des Schutzzolles auf 10 sh.
das Quarter (M. 4,32 der Doppelzentner).
2 ) Siehe „An inquiry into the nature and progress of rent, 1815
(Untersuchung über die Natur und den Fortschritt der Bodenrente).
3 ) Siehe auch den überraschenden Ausspruch, den H. Denis hervorgehoben hat:
„Es ist natürlich unmöglich, daß irgendeine Regierung den Dingen ihren natürlichen
Lauf lassen kann“ (Malthus, Principles, Introduction).