Full text: Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

Kapitel III. Die Pessimisten. 
185 
tut, — und so auch das Sinken des Profits, das ihn nicht weniger 
beschäftigte, zum Stillstand bringt 1 ) (siehe oben S. 181—182). 
Außer diesem doppelten Grunde zugunsten des Freihandels führt 
er einen weiteren an, der ebenfalls heute^noch nichts von seiner 
Kraft verloren hat; er ergibt sich aus dem wohltätigen Einfluß der 
internationalen Arbeitsteilung: „Indem man auf diese Weise den 
größtmöglichen Vorteil aus den Hilfsmitteln zieht, die die Natur 
bietet, gelangt man zu einer besseren Verteilung und größerer Wirt 
schaftlichkeit der Arbeit“ (S. 105). ’ 
* Es verdient hervorgehoben zu werden, daß sein berühmter Zeit 
genosse Malthus mehr dem Schutzzölle zuneigte 2 3 * * ). ' Es mag das 
eigentümlich erscheinen, denn Malthus, in seiner Furcht vor dem 
Gespenst der Hungersnot, hätte doch einer ausländischen Getreide 
einfuhr die Tore weit öffnen sollen. Zweifellos glaubte Malthus, 
in Übereinstimmung mit unseren heutigen Agrar-Schutzzöllnern, daß 
das sicherste Mittel, ein Land vor Hungersnot zu bewahren, nicht 
darin liege, die nationale Landwirtschaft der Konkurrenz des Aus 
landes auszusetzen, sondern im Gegenteil darin, sie zu stützen und 
zu immer größerer Entfaltung zu bringen, indem ihr ein genügender 
Preis für ihre Erzeugnisse gesichert wird. Auch muß darauf 
hingewiesen werden, daß Malthus eine andere Theorie über die 
Bodenrente vortrug, als Ricaeho, und besonders, daß er ein weit 
weniger entschiedener Gegner des Interventionismus war 8 ). 
' Ricaedo’s größte Leistung jedoch besteht darin, die Gesetze, die 
die Bewegung der Waren und die gegenläufigen Strömungen des Z 
Geldes von einem Lande in das andere beherrschen, aufgedeckt zu 
haben und in dem glänzenden Nachweis, wie dieses Hin- und Zurück 
fluten sich vollzieht. * 
0 In einem seiner Briefe an Malthus (y. 18. Dez. 1814) schreibt er bedauernd; 
„Wenn wir nnr eine Zone fruchtbaren Landes unserer Insel anfügen könnten, würden 
die Profite nie fallen.“ Nun sollte gerade der Freihandel der Insel eine unbegrenzte 
Zone fruchtbaren Landes anfügen, und dadurch gleichzeitig das Fallen der Profite 
und das Steigen der Bodenrente verhindern. 
In seiner Schrift über den „Schutz, der der Landwirtschaft zu ge 
währen ist“ (1822), führt er aus, wie der Schutzzoll, der zur Bebauung auch der 
unfruchtbarsten Flächen des einem Volke gehörenden Bodens zwingt, notwendiger 
weise die Getreidepreise und die Bodenrente in die Höhe treibt. Er verlangt nicht 
Aufhebung des Einfuhrzolles, sondern eine Ermäßigung des Schutzzolles auf 10 sh. 
das Quarter (M. 4,32 der Doppelzentner). 
2 ) Siehe „An inquiry into the nature and progress of rent, 1815 
(Untersuchung über die Natur und den Fortschritt der Bodenrente). 
3 ) Siehe auch den überraschenden Ausspruch, den H. Denis hervorgehoben hat: 
„Es ist natürlich unmöglich, daß irgendeine Regierung den Dingen ihren natürlichen 
Lauf lassen kann“ (Malthus, Principles, Introduction).
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.