I. Abschnitt. Grundbegriffe. .
3. Umfang der Staatswirtschaft. Man muß den Um-
fang und die Verzweigtheit des staatlichen Haushaltes vor Auger
halten, wenn man sich eine Vorstellung von der finanziellen Tätig-
keit des Staates machen will. In der staatlichen Wirtschaft nimmt
die Erwerbstätigkeit relativ ab; trotzdem läßt es sich nicht behaupten,
daß diese Tätigkeit heute eine geringe ist, aber ihr Terrain hat
sich verändert. Auch heute entwickelt der Staat eine bedeutende
Tätigkeit auf dem Gebiete der Landwirtschaft, der Forstwirtschaft,
der Montanwirtschaft. Auch auf dem Gebiete der industrieller
Tätigkeit begegnen wir dem Staate, wenn auch in geringerem Maße.
Doch tut sich hier in der Verstaatlichung der Kraftquellen ein
neues, großes Gebiet auf. Um so bedeutender ist die Tätigkeit des
Staates auf dem Gebiete des Verkehrswesens, namentlich des Eisen-
bahnwesens, auf dem Gebiete des Bankwesens, des Versicherungs-
wesens, der Schiffahrt usw. Die meisten Güter freilich, deren der
Staat bedarf, muß er aus dem Verkehr beschaffen und so greift
seine Tätigkeit tief in das Getriebe des Verkehrs, in die Bestimmung
der Preise und Löhne usw. ein. Der Staat ist heute der wichtigste
Käufer. Rohstoffe, Hilfsstoffe, Brennstoffe kauft er in großen
Quantitäten; für seine Fabriken, Eisenbahnen und Schiffe braucht
er Kohle und Eisen, für das Heer Bekleidungsgegenstände und
Nahrungsmittel, Waffen und Munition, für seine Amtslokalitäten
braucht er Einrichtungsgegenstände, Möbel, Schreibrequisiten, Be-
leuchtungs- und Heizstoffe; auf allen Gebieten verwendet er eine
Unzahl von höheren und geringeren Arbeitskräften. Seine Nach-
frage ist ausschlaggebend für Produktion und Konsumtion, für
Preise und Löhne. Hieraus ergibt sich für den Staat eine außer-
ordentlich schwierige, komplizierte Tätigkeit, die tüchtige, gewissen-
hafte Kräfte erfordert. Alles muß in den nötigen Quantitäten, in
der rechten Zeit, zum entsprechenden Preise angeschafft, gehörig
aufbewahrt und verwendet werden. Hier berührt sich die staatliche
Tätigkeit mit großen Privatinteressen, die oft nach Ausbeutung des
Staates trachten und Korruption in die Staatsmaschine einpflanzen.
Werden die Anschaffungen im Inlande effektuiert, so bietet dies
der inländischen Produktion Nahrung, während diese entzogen wird,
wenn die Anschaffungen im Auslande geschehen. Alle Käufer,
alle Konsumenten berührt in ihrem Interesse das Preisangebot des
Staates, denn diese Preise werden auch für sie maßgebend sein.
Ja, auf manchem Gebiete wird der Einfluß des Staates geradezu
diktatorisch sein und es kann ebensogut geschehen, daß er zu hohe,
als daß er zu niedrige Preise bietet. Die Wirkung dieses Ver-
haltens pflanzt sich natürlich fort auf die Einkommensverteilung,
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