Object : Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

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Erstes  Buch.  Die  Begründer.

wird  jeder  zugeben.  Und  doch  besteht  dieser  Unsinn  überall  dort,  wo
man  uns  durch  Zolltarife  daran  hindert,  an  den  natürlichen  Vorzügen,
die  fremde  Nationen  vor  uns  voraus  haben,  teilzunehmen.  Die  ganze
„niedrige  Habsucht  und  der  Monopolgeist  der  Kaufleute  und  Gewerbetreibenden“ ­
 1 )  ist  dazu  nötig  gewesen,  um  die  Nation  über  ihre  wirklichen ­
  Interessen  so  sehr  zu  täuschen.  Nach  Smith  besteht  daher  eine
natürliche  Verteilung  der  Produktion  zwischen  den  verschiedenen  Ländern,
die  mit  dem  Vorteile  jedes  Land'-  übereinstimmt.  Das  Schutzzollsystem ­
  hindert  uns,  daran  Teil  zu  L.  n;  ihm  steht  die  Anwendung  des
Prinzips  der  Arbeitsteilung  auf  die  internationale  Interessengemeinschaft
gegenüber.
Immerhin  ist  dieser  Beweis  nicht  schlüssig,  denn  das  Kapital  und
die  Arbeit  zirkulieren  nicht  zwischen  Volk  und  Volk  wie  im  Innern  desselben ­
  Landes.  Die  Verteilung  der  Industrie  auf  die  verschiedenen  Völker
regelt  sich  nicht  auf  Grund  der  absoluten  Produktionskosten,  sondern
auf  Grund  der  relativen  Produktionskosten.  Das  Verdienst,  dies  nachgewiesen ­
  zu  haben,  gebührt  Ricardo.
Smith  ist  daher  in  seinem  Nachweis  der  Nachteile  des  Schutzzollsystems ­
  unvollständig,  und  dies  tritt  vielleicht  noch  mehr  in  seinem  Be'
weise  für  die  Vorteile  des  internationalen  Handels  zutage.
Der  entscheidende  Grund  zugunsten  der  Handelsfreiheit  ergibt
sich  aus  dem  Nutzen,  den  der  Verbraucher  davon  hat.  Die  Vermehrung ­
  der  ihm  zu  Gebote  stehenden  Gebrauchsgüter  macht  dD
Überlegenheit  des  Freihandels  aus.  Wie  Stuart  Mill  sagt:  „AID
direkten  Vorteile  des  Außenhandels  beruhen  auf  der  Einfuhr“ 2 )-Dieser
  Gesichtspunkt  wird  aber  bei  Smith  am  wenigsten  untersucht*
Er  schreibt  freilich:  „Die  Konsumtion  ist  der  einzige  Zweck  aller
Produktion  .  .  .,  allein  im  Merkantilsysteme  wird  das  Interesse  des  Konsumenten ­
  fast  beständig  dem  des  Produzenten  aufgeopfert.“  Die se
Stelle  findet  sich  jedoch  erst  am  Ende  der  Kritik  des  Merkantilis^'-’"
im  8.  Kapitel  des  4.  Buches  (Bd.  II,  S.  143)  und  steht  noch  nicht  in  der
ersten  Ausgabe  des  Werkes.  Sie  ist  erst  in  der  dritten  Ausgabe  eingefügt
worden 3 ).
Im  Gegenteil,  Smith  stellt  sich  fast  stets  auf  den  Standpunkt  <D 9
Produzenten,  um  die  Vorteile  des  internationalen  Handels  darzulegen 4  *  *  *  * )*
*)  Völkerreichtum  II,  S.  40,  B.  IV,  Kap.  III,  Teil  2.
2 )  Principles  of  Political  Economy,  B.  III,  Kap.  XVII.
3 )  Allerdings  hat  er  schon  im  IV.  Buch,  Kap.  III,  Teil  2  (II,  S.  41)  gesagt:
jedem  Lande  ist  es  und  muß  es  stets  der  Vorteil  der  großen  Masse  des  Volkes  sein,  ihre®
Bedarf  von  denen  zu  kaufen,  die  ihn  am  wohlfeilsten  verkaufen.  Dieser  Satz  i st
so  durchaus  einleuchtend,  daß  es  lächerlich  wäre,  ihn  noch  besonders
beweisen  zu  wollen.“
")  Betreff  der  Getreidezölle  schreibt  er:  „Die  Einführung  fremden  Getreide
und  Viehes  fortdauernd  zu  verhüten,  heißt  in  der  Tat  nichts  anderes  als  festsetze 11 ’
            
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