Full text: Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

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Zweites Bach. Die Gegner. 
II. 
Charles Fourier. 
Sicherlich ist das praktische Werk Owen’s bedeutender gewesen 
als das Foüribe’s, da man seine Initiative, wie wir gesehen haben, 
am Ausgangspunkt der meisten großen sozialen Bewegungen des 
19. Jahrhunderts findet. Aber das rein intellektuelle Werk Fodeier’s, 
wenn auch utopistischer und ausschweifender, ist doch bedeutend 
umfassender, sowohl durch sein sehr scharfes Gefühl für die Fehler 
der Zivilisation, wie er sie nennt, als auch durch eine fast über 
natürliche Seherga be 1 2 ). 
Fourier ist oft zu einem Narren gestempelt worden, und diese Be 
zeichnung scheint nicht zu stark zu sein, wenn man die Wunderlich 
keiten liest, die so zahlreiche Seiten seiner Schriften füllen, und wenn 
auch einige seiner Getreuen erfolglose Beschönigungsversuche machen, 
indem sie ihnen einen symbolischen Sinn geben, an den er niemals 
gedacht hat 3 ). Trotzdem kann man sagen, daß er der bürgerlichste 
aller Sozialisten gewesen ist, wenn man ihn überhaupt als Sozialisten 
bezeichnen will, ein Name, den er sich selbst allerdings niemals 
beigelegt hat. Denn kann man wirklich jemanden als Sozialisten 
bezeichnen, der von Qwen sagt: „Was seine Dogmen anlangt, so ist 
das von der Gütergemeinschaft so erbärmlich, daß es nicht einmal 
eine Widerlegung verdient“ und von den Saint-Simonisten; „es ist 
eine Ungeheuerlichkeit, die man höchstens mit einem Achselzucken 
beantworten kann, im 19. Jahrhundert die Abschaffung des Eigen 
tums und des Erbrechtes zu predigen“ 3 ); — der in seinem Verteilungs- 
systeme der Arbeit, dem Kapital und dem Talent ungefähr den 
*).Siehe in Cooperation von Ch. Gide den Vortrag über Les Propheties 
de Fourier. 
2 ) Man darf ihm aber immerhin nicht mehr Torheiten zuschreiben, als er 
wirklich gesagt hat — sie genügen so wie so schon —, und ich benutze die Gelegen 
heit, um nochmals eine Narrheit zu widerlegen, die ihm noch vor kurzem von ernst 
haften Volkswirtschaftlern augehängt worden ist, daß nämlich die Männer in den 
Phalanstere einen Schwanz haben würden, der an seinem Ende ein Auge trägt. Die 
Karikaturenzeichner der Zeit, Cham z. B., stellten die Pourieristen so ausgestattet 
dar. Der Ursprung dieses Märchens muß in einem seiner Bücher, das übrigens, wie 
ich gern zugebe, recht grotesk ist, gesucht werden. Nachdem er gesagt hat, daß 
auf anderen Planeten die Menschen mit anderen und zahlreicheren Gliedern als 
wir, versehen sind, fügt er an: „und besonders mit einem, das uns fehlt und das 
die folgenden Eigenschaften besitzt; gegen das Fallen zu schützen, als wirksame 
Waffe, als prächtige Zier zu dienen, das außerordentliche Stärke mit höchster Be 
weglichkeit vereint und für jede Bewegung des Körpers Hilfe und Stütze ist“ 
(Fausse Industrie, II, S. 6). 
3 ) Nouveau Monde Industriel, S. 473.
	        
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