Full text : Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

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Zweites  Buch.  Die  Gegner.

Getreidebau.  Im  Gegenteil,  der  Zorn  Foueieb’s  findet  kein  Ende,
wenn  er  von  dem  Getreidebau  und  der  Broterzeugung  spricht,  die
das  Menschengeschlecht  unter  dem  härtesten  Arbeitsjoch  gehalten
haben,  um  ihm  nur  die  gröbste  Nahrung  zu  gewähren.  Für  ihn  ist
die  einzig  anziehende  Art  der  Bodenbearbeitung  der  Gartenbau,  die
Kultur  von  Obstbäumen  und  daran  anschließend,  die  Geflügel-,  Bienen-,
und  Fischzucht  und  alles,  w T as  sich  unter  dem  Begriff  Gartenarbeit
zusammenfassen  läßt 1 ).  Die  fast  einzige  Arbeit  des  Bewohners  der
„Phalansteres“  wird  darin  bestehen  „seinen  Garten  zu  bestellen“,
wie  Adam  vor  dem  Fall  und  Candide  nach  seinen  Schicksalsschlägen.

§  4.  Die  anziehende  Arbeit.

Das  ist  der  Angelpunkt  des  Fourierismus.  In  den  sogenannten
zivilisierten  Gesellschaften,  sagt  er,  ebenso  wie  in  den  barbarischen
und  den  auf  Sklaverei  aufgebauten  Gesellschaften  ist  die  Arbeit  ein
Fluch  und  eine  Verwünschung  geblieben.  So  darf  es  nicht  länger
sein:  von  nun  an  darf  der  Mensch  nicht  länger  unter  dem  Ansporn
eines  der  drei  Beweggründe  arbeiten,  die  bis  jetzt  die  einzigen  gewesen ­
  sind,  ihn  vorwärts  zu  treiben,  nämlich:  der  Zwang,  das  Elend
und  der  Eigennutz.  Er  wollte  in  keiner  Weise  einen  sozialen  Zustand, ­
  in  dem  der  Mensch  durch  die  Notwendigkeit,  sein  Brot  zu
verdienen,  oder  durch  Gewinnsucht  oder  infolge  eines  herrischen
Gebotes  sozialer  oder  religiöser  Pflicht  zur  Arbeit  gezwungen  sei.
Er  wollte,  daß  der  Mensch  nur  zum  Vergnügen  arbeite  und  sich,
wie  er  sagt,  an  die  Arbeit  mache,  wie  man  heute  zu  einem  Fest
eilt;  wir  können  seine  Gedanken  durch  ein  Wort,  das  zu  seiner  Zeit
noch  nicht  im  Gebrauch  war,  ausdrücken:  daß  die  Arbeit  zu  einem
Sport  werde,  der  mit  derselben  Leidenschaft  betrieben  würde,  mit
der  heute  die  jungen  Leute  sportliche  Leibesübungen  pflegen 2 ).

>)  Die  Arbeits-„Eeihen“,  die  Fourier  immer  als  Beispiel  nimmt,  sind  stets  mit
dem  Obstbau  beschäftigt,  „Kirschenpflanzer,  ßirnenpflanzer“  usw.  Früchte  und
Blumen  nehmen  in  seinen  Schriften  einen  enormen  Platz  ein.  Er  scheint  die  großen
Fruchtknlturen  Kaliforniens  vorausgeahnt  zu  haben.
Ohne  uns  bei  den  triftigen  Gründen  aufhalten  zu  können,  die  Fourier  in  der
Verkleidung  von  Feengeschichten  zugunsten  eines  Ersatzes  der  Landwirtschaft  durch
Obstbaumkultur  anführt,  weisen  wir  nur  darauf  hin,  daß  er  beständig  die  Überlegenheit ­
  des  Zuckers  und  der  eingemachten  Früchte  über  das  Brot  betont  und  den
himmlischen  Instinkt  der  Kinder  preist,  die'das  ohne  weiteres  verstehen.  Gerade
diese  Ansicht,  die  nicht  wenig  dazu  beigetragen  hat,  daß  er  für  einen  Narren  gehalten ­
  wurde,  findet  sich  heute  durch  die  Forschungen  der  größten  Gelehrten  und
Hygieneprofessoren  bestätigt.
2 )  Es  ist  interessant,  daß  die  Volkswirtsehaftler,  besonders  Buchsb,  lehren,  daß
die  Arbeit  aus  dem  Spiel  erwachsen  ist,  während  nach  Fourier  die  Entwicklung  der
            
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