Kapitel III. Die Assozialisten.
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Er versichert, daß dies möglich sei, wenn jedem ein Existenz
minimum auf alle Fälle zugesichert ist; denn die Arbeit|
verliert ihren Zwangscharakter und wird freiwillig, wenn jedem
die Freiheit gesichert ist, sich diejenige Arbeit auszuwählen, die
seinen Fähigkeiten am besten entspricht, und wenn diese Arbeit,
welche sie auch immer sei, möglichst verschieden und abwechslungs
reich ist, wenn sie durch den Wetteifer angespornt wird und sich
inmitten von Fröhlichkeit und Schönheit abspielt. Zu dem alleinigen
Zweck, die Arbeit anziehend zu gestalten, ist das ganze eben dar
gelegte System auch im einzelnen ausgestaltet, — Phalanstere, Ge
sellschaftsleben, Luxus der kooperativen Einrichtungen in der Pro
duktion und der Verteilung, Ersatz der Landwirtschaft durch die
Gärtnerei usw. — Fourier bleibt aber hierbei nicht stehen; er ver
bindet damit noch eine Menge von kindlichen oder auch ingeniösen
Hilfsmitteln: besonders ein Ineinandergreifen kleiner, sich sympathi
scher Gruppierungen, die er Gruppen oder Serien nennt, in denen
die Arbeitsteilung bis zu ihren äußersten Grenzen getrieben wird, in
die ein jeder sich nach seiner „Wahlverwandtschaft“ einstellt, und jede
dieser Gruppen, die nur einen Teil der Zeit und des Lebens eines
jeden in Anspruch nimmt, läßt jeder Einzelperson die Freiheit, von
einer zur anderen „wie ein Schmetterling“ zu flattern, zu „papillonner",
wie Fourier sagt. . . .
Es wird aber Zeit, unseren Führer zu verlassen. Wir können
ihm nicht in die Irrgänge seiner Psychologie mit ihren zwölf Leiden
schaften folgen; — die drei wichtigsten sind „la Papillonne, la Com-
posite und la Cabaliste“ (was ungefähr mit Flatterhaftigkeit, Viel
fältigkeit und Neigung zum Geheimnisvollen ausgedrückt werden kann.
Anm. d. Übers.) — noch auch in seine Theodicee oder in seine kosmo-
gonische und klimatische Entwicklungstheorie, nach der eines Tages
das Salzwasser des Meeres sich in Süßwasser verwandeln wird, die Eis
kappen der Pole schmelzen und neue Tierarten entstehen, und wir mit
den anderen Planeten in Verbindung treten werden. Und doch wären
aus diesem trüben Strom noch viele Goldkörner zu gewinnen.
Das gilt z. B. für die Kindererziehung, die einen so großen Platz ^
bi den Büchern Fourier’s einnimmt. Obgleich dieser alte Hagestolz
Kinder nicht besonders liebte, wie er selbst erklärt hat, hat er doch
an verschiedenen Stellen die moderne Erziehung vorausgeahnt. Es
War einer seiner Schüler, Fröbel, der im Jahre 1847 die ersten
"Kindergärten“ schuf 1 )-
Arbeit sie zu einem Spiel machen soll. Beide Thesen lassen sich übrigens in der
ypothese eines Kreislaufs oder eines Rücklaufs vereinigen.
l ) Wir führen auch die Kindergesellschaften zur Reinigung der öffentlichen
‘ traßen , der Überwachung der öffentlichen Gärten, des Tierschutzes an, die Foürier