Full text: Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

Kapitel III. Die Assozialisten. 
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schränkt, jedem das Existenzminimum, die Sicherheit und den Komfort 
zu garantieren, also ungefähr alles das, was man heute als den 
Gegenstand der sogenannten Arbeitergesetzgebung ansieht. 
Auf seine Zeitgenossen übte der Fourierismus nicht denselben 
bezaubernden Einfluß aus wie der Saint-Simonismus; wenn er aber 
weniger glänzend und weitreichend war, so war er deshalb von um 
so längerer Dauer. Saint-Simonisten gibt es schon seit einem halben 
Jahrhundert nicht mehr, während es noch heute eine phalansterische 
Schule gibt; allerdings ist sie klein, wenn man nur die zählt, die 
sich formell dazu bekennen, aber ihre Zahl ist nicht unbedeutend, 
wenn man, wie man es tun sollte, einen Teil der Genossenschaftler 
der verschiedenen Kategorien dazu rechnet. Der so lange verhöhnte 
Fouexee selbst scheint sogar seit etwa 15 Jahren an Beachtung und 
Sympathie zu gewinnen x ). 
Unter seinen Schülern sind zwei besonders hervorzuheben: 
Einer der begeistertsten Verbreiter des Fourierismus war Victor 
Considerant. Er hat in seiner Doctrine Sociale (1834/44) die 
beste Darlegung des Systems gegeben. Er hat sogar, wie Owen, 
"versucht, es in Kolonien in Amerika zu verwirklichen 2 ). Während 
Jer Revolution von 1848 spielte er eine gewisse Rolle, besonders 
durch seine Forderung des „Rechtes auf Arbeit“, als der gerechten 
und notwendigen Ergänzung des „Rechtes auf Eigentum“. 
Andre Godin hat durch die Schaffung des bekannten ”, Familistere“ 
ei « dauerhafteres Denkmal hinterlassen, als es seine Bücher sind. 
ist dies ein industrielles Unternehmen (Heizkörperfabrikation) in 
Guise, daß das gemeinsame Eigentum der Arbeiter ist, die den Ge 
winn ungefähr nach den Vorschriften des Meisters unter sich ver 
teilen 8 ). In dieser Hinsicht wäre es aber nur eine Produktivgenossen- 
’) Siehe z. B. das Buch E. Zola’s, Travail, das von Barrüs, l’Ennemi des 
l°is, wie auch der ausgesprochene Umschwung in den Meinungen der Volks Wirt 
schaftler, die ihn früher als überspannten Narren betrachteten und die ihn heute, 
wie z. B. Paul Lbroy-Beadlibu in seinen letzten Schriften einen „genialen Denker“ 
nennen. 
2 ) Wir können hier nicht auf die zahlreichen fourieristischen Kolonien eingehen, 
ebensowenig wie uns das bei denen Owek’s möglich ■war. Wir erwähnen, nur, daß 
)ie. besonders in den Vereinigten Staaten, sehr zahlreich waren,^ hauptsächlich in der 
Zeit von 1841—1844, während der einige 40 entstanden, — von denen eine, die 
Brook-Farm, mehrere der bedeutendsten Amerikaner, darunter Channing und Haw- 
t horke zu ihren Mitgliedern zählte, — doch keine von ihnen konnte sich lange halten. 
Sogar in Frankreich hat es einige Versuche genossenschaftlicher Landgüter 
gegeben, und dies noch in unseren Tagen; — eins davon besteht noch in Conde-sur- 
Vesgres (bei ßambouillet), wo sieh einige getreue Fourieristen zur Erholung zu 
versammeln pflegen. 
3 ) Es wurde 1859 gegründet, aber erst 1888, nach dem Tode Godin s, ist es zu 
einer Arbeitergenossenschaft geworden.
	        
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