Full text : Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

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Zweites  Buch.  Die  Gegner.

scheidet.  Um  das  Phalanstere  und  die  kommunistischen  Kolonien
zu  gründen,  wenden  sich  weder  Owen  noch  Foueiee  an  den  Staat.
Die  Privatinitiative  genügt  ihnen.  Die  Gesellschaft  erneuert  sich
selbsttätig  ohne  jede  äußere  Hilfe,  und  dies  ist  noch  heute  das  Prinzip
der  Konsumvereine.  Wo  immer  sie  bestanden  haben,  haben  sie  es
auf  Grund  eigener  Kraft  getan.  Louis  Blanc  empfiehlt  die  Vergesellschaftung ­
  spezialisierter  Arbeiter.  Woher  könnten  sie  ihre
Kapitalien  erhalten?  Auf  die  Ersparnisse  des  Arbeiters  zu  rechnen,
würde  darauf  hinauslaufen,  niemals  anzufangen 1 ).  Es  ist  unbedingt
nötig,  daß  Jemand  da  ist,  der  den  ganzen  Mechanismus  einschaltet,
da  er  sich  nicht  allein  einschalten  kann.  Das  kann  niemand  anderes
sein,  als  die  Regierung!  Ist  sie  nicht  die  „organisierte  Macht“?
Und  dann  „wenn  man  sie  nicht  zum  Instrument  nimmt,  würde  man
sie  als  Hindernis  auf  dem  Wege  finden“  (S.  14).  Aber  die  Regierung
tritt  nur  für  einen  Augenblick  dazwischen;  „Sobald  die  Maschine
einmal  aufgestellt  ist,  würde  sie  von  selbst  gehen“  (S.  149).  Der
Staat  „hat  weiter  nichts  zu  tun,  als  die  Gesellschaft  auf  eine  schiefe
Ebene  zu  bringen,  die  sie,  sobald  sie  einmal  dort  steht,  allein  durch
die  Kraft  der  Tatsachen  und  infolge  der  natürlichen  Gesetze  des  dann
bestehenden  Mechanismus  hinabgleitet“  (S.  165).  Hierin  liegt  gerade
das  Geistreiche  des  Systems.  Und  in  der  Tat  haben  sich  denn  auch
die  meisten  der  bestehenden  Produktivgenossenschaften  mit  der  finanziellen ­
  und  administrativen  Hilfe  der  öffentlichen  Behörden  gebildet,
ohne  die  sie  nicht  bestehen  können.
Louis  Blanc  ist  daher  einer  der  ersten,  wenn  nicht  der  erste
Sozialist,  der  daran  gedacht  hat,  sich  auf  den  modernen  Staat  zu
stützen,  um  die  soziale  Reform  ins  Werk  zu  setzen.  Rodbertus  und
Lassallb  richten  später  eine  ähnliche  Aufforderung  an  den  Staat,
und  der  französische  Schriftsteller  verdient,  mit  ihnen  unter  die  Vorläufer ­
  des  Staatssozialismus  gerechnet  zu  werden.
In  dieser  Aufforderung  liegt  von  seiten  der  Sozialisten  etwas
Naives,  denn  von  zwei  Dingen  eins:  entweder  ist  das  Projekt,  für
das  man  die  Hilfe  der  Regierung  anruft,  wirklich  revolutionär,  —
und  dann  wäre  die  Regierung,  die  die  Gesellschaft  vertritt,  recht
blind,  wenn  sie  sich  selbst  dazu  hergäbe,  um  als  Mittel  zu  ihrer
J )  „Die  Emanzipation  der  Arbeiter  ist  eine  höchst  verwickelte  Aufgabe;  sie  ist
mit  zu  vielen  Fragen  verbunden,  sie  bringt  zu  viele  Gewohnheiten  in  Unordnung,
sie  läuft  anscheinend,  wenn  auch  nicht  in  Wirklichkeit,  so  vielen  Interessen  entgegen,
als  daß  es  nicht  Wahnsinn  .wäre,  zu  glauben,  sie  ließe  sich  durch  eine  Reihe  von
Teilversnchen  und  vereinzelten  Bestrebungen  verwirklichen.  Zu  ihrer  Durchführung
ist  die  ganze  Macht  des  Staates  nötig.  Was  den  Proletariern  fehlt,  um  sich  frei  zu
machen,  sind  die  Arbeitsmittel.  Aufgabe  der  Regierung  ist  es,  sie  ihnen  zu  liefern.
Wenn  wir  den  Staat  gemäß  unserer  Auffassung  definieren  sollten,  würden  wir  sagen:
„Der  Staat  ist  der  Bankier  der  Armen“  (Organisation  du  Travail,  S.  14).
            
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