Full text : Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

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Zweites  Buch.  Die  Gegner.

/-wenn

  man  sich  den  Folgerungen,  die  sich  logisch  daraus  ergaben,
entziehen  wollte.  List  begriff  das,  und  in  seinen  Bemühungen,  dies
Ziel  zu  erreichen,  fand  er  neue  Wahrheiten,  die  seinem  Buch  bleibenden ­
  theoretischen  Wert  verleihen  und  ihm  einen  bedeutenden  Platz
in  der  Geschichte  der  Doktrinen  sichern.
Er  führte  in  die  Diskussion  zwei  den  anerkannten  Theorien
fremde  Gedanken  ein:  die  Idee  der  Nationalität,  als  Gegensatz ­
  zu  der  des  Internationalismus;  und  die  Idee  der  Produktivkraft,
  als  Gegensatz  zu  der  des  Tauschwertes.  Auf  diesen  Gedanken ­
  beruht  das  ganze  System.
a)  List  sagt;  Adam  Smith  und  seine  Schule  haben  eine  kosmopolitische ­
  Hypothese  aufgestellt.  Sie  haben  angenommen,  daß  schon
jetzt  alle  Menschen  in  einer  großen  Gemeinschaft  vereinigt  sind,  aus
der  der  Krieg  verbannt  ist.  Auf  Grund  einer  solchen  Hypothese,
wonach  die  ganze  Menschheit  sich  aus  Einzelindividuen  zusammensetzt, ­
  sind  allerdings  ihre  individuellen  Interessen  allein  von  Wichtigkeit, ­
  und  man  kann  kein  Hindernis  rechtfertigen,  das  ihrer  wirtschaftlichen ­
  Freiheit  entgegensteht.  Aber  zwischen  den  Menschen
und  das  Menschengeschlecht  hat  die  Geschichte  die  Nationen  gestellt.
Das  vergißt  die  Schule.  Jeder  Mensch  ist  ein  Teil  einer  Nation,  und
sein  individueller  Wohlstand  ist  mit  der  politischen  Macht  der  letzteren
innigst  verknüpft 1 ).
Ohne  jeden  Zweifel  ist  die  allgemeine  Verbrüderung  der  Menschen
ein  hohes,  edles  Ziel,  das  eines  Tages  verwirklicht  werden  wird.
Heute  aber  haben  die  verschiedenen  Nationen  noch  verschiedene  Interessen ­
  und  sind  verschieden  mächtig.  Die  endgültige  Wirtschaftseinheit ­
  kann  ihnen  nur  dann  nützen,  wenn  die  Nationen  mit  gleicher
wirtschaftlicher  Macht  in  diese  allgemeine  Verbrüderung  eintreten.
Denn  wenn  das  nicht  der  Fall  ist,  wird  es  sehr  leicht  möglich,  daß
nur  eine  von  ihnen  von  der  Wirtschaftseinheit  Vorteil  hat,  während
alle  anderen  von  ihr  unterjocht  werden.  Unter  diesem  neuen  Gesichtspunkt ­
  ist  die  Nationalökonomie  „diejenige  Wissenschaft,  welche  mit
Anerkennung  der  bestehenden  Interessen  und  der  individuellen  Zustände

stände  zu  gewinnen“,  und  „sich  hauptsächlich  mit  den  Wirkungen
des  materiellen  Austausches  zu  befassen,  anstatt  mit  den  produktiven
Kräften“.  Zu  bemerken  ist,  daß  List  niemals  von  Eicardo  spricht,  sondern  sich
einzig  gegen  Smith  und  Say  wendet,  die  er  allein  gelesen  zu  haben  scheint.
')  ,.So  lehrt  das  Beispiel  von  Holland,  wie  das  von  Belgien,  wie  das  der  Hansestädte ­
  und  der  italienischen  Kepubliken,  daß  die  Privatindustrie  den  Handel  und
die  Industrie  und  den  Eeichtum  ganzer  Staaten  und  Länder  nicht  aufrecht  zu  erhalten ­
  vermag,  wenn  die  öffentlichen  Zustände  nicht  günstig  sind,  und  daß  die
Individuen  den  größten  Teil  ihrer  produktiven  Kräfte  von  der  politischen  Organisation
der  Kegierung  und  der  Macht  der  Nation  empfangen“  {Nat.  Syst.  S.  75,  Cotta’sche
Ausg.  1841).
            
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