Full text : Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

Kapitel  Y.  Proudhon  und  der  Sozialismus  von  1848.

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vorgebliche  Macht  kommt  einzig  aus  der  „kollektiven  Kraft  und  der
Arbeitsteilung“.  Die  Seele  der  wirtschaftlichen  Kräfte  ist  aber  die
Freiheit.  „Die  wirtschaftliche  Vollkommenheit  liegt  in  der  vollständigen ­
  Unabhängigkeit  der  Arbeiter,  so  wie  die  politische  Vollkommenheit ­
  in  der  vollständigen  Unabhängigkeit  der  Bürger  besteht“ x ),
1848  sagt  er  in  einem  Wahlaufruf  an  seine  Wähler  im  Seine-Wahlkreis: ­
  „Mein  ganzes  System  beruht  auf  der  Freiheit,  Freiheit  des
Gewissens,  Freiheit  der  Presse,  Arbeitsfreiheit,  Handelsfreiheit,  Freiheit ­
  des  Unterrichts,  freie  Konkurrenz,  freies  Verfügungsrecht  über
die  Früchte  der  Arbeit  und  des  Fleißes,  Freiheit  bis  ins  endlose,
absolute  Freiheit  überall  und  für  immer.“  Es  ist  dies,  fügt  er  hinzu,
„das  System  von  89  und  93,  das  System  Quesnay’s,  Tuegot’s  und
J.-B.  Say’s“.  Könnten  das  nicht  Worte  eines  der  klassischen  Ökonomisten ­
  sein,  der  die  Wohltaten  der  freien  Konkurrenz  rühmt? 2 )
Nicht  weniger  energisch  weist  Pboudhon  den  Kommunismus  als
Rechtsordnung  zurück.  Es  handelt  sich  nicht  darum,  das  Eigentum
abzuschaffen,  das  ein  notwendiger  Ansporn  zur  Arbeit  ist,  auf  dem
Eie  Familie  beruht  und  ohne  das  kein  Fortschritt  möglich  ist.  Es
handelt  sich  nur  darum,  es  unschädlich  oder  noch  besser,  es  allen
zugänglich  zu  machen 8 ).  Der  Kommunismus  ist  nur  das  umgekehrte
Eigentum.  „Gemeineigentum  ist  Ungleichheit,  aber  im  umgekehrten
Sinne  wie  das  Einzeleigentum.  Dieses  ist  die  Ausbeutung  des
Schwachen  durch  den  Starken,  das  Gemeineigentum  ist  die  Ausbeutung ­
  des  Starken  durch  den  Schwachen“ 4 ).  Und  auch  das  ist
Diebstahl.  „Der  Kommunismus,“  ruft  er  aus,  „ist  die  Religion  des
Elends“  D ).  „Zwischen  dem  Eigentum  hier  und  dem  Kommunismus
dort  werde  ich  eine  Welt  aufrichten“  6 ).
Assoziation  ist  keineswegs  eine  wirtschaftliche  Macht.  Ihrer  Natur  nach  ist  die  Assoziation ­
  steril,  sogar  schädlich,  denn  säe  ist  eine  Beschränkung  der  E'reiheit  des  Arbeiters“
(8-  89).  .  .  .  „In  der  Assoziation  ist  ein  jeder  für  einen  jeden  verantwortlich:  der
Deinste  ist  ebensoviel,  wie  der  grollte;  der  zuletzt  beigetretene  hat  dasselbe  Recht  wie
der,  der  gleich  am  Anfang  mit  dabei  war,  die  Assoziation  läßt  alle  Unterschiede
verschwinden:  sie  ist  die  Solidarität  des  Ungeschicks  und  der  Unfähigkeit“  (Ebenda).
1 )  La  Revolution  demontree  par  le  Coup  d’Btat,  S.  53—64.  An
anderer  Stelle:  „Wenn  ihr  davon  sprecht,  die  Arbeit  zu  organisieren,  so  ist  das,  als
°b  ihr  die  Freiheit  des  Augenlichtes  berauben  wolltet“  (Organisation  du  credit
de  l’echange,  CEuvres,  Bd.  VI,  S.  91).
2 )  Programme  revolutionnaire:  An  die  Wähler  des  Seine-Wahlkreises,
in  der  Zeitung:  Repräsentant  du  Peuple,  (Euvres,  Bd.  XVII,  S.  45—46).
3 )  „Wir  wollen  das  Eigentum  für  alle.  Wir  wollen  das  Eigentum  ohne  Wucher,
>v eil  der  Wucher  das  Hindernis  für  eine  allgemeine  Verbreitung  des  Eigentums  ist“
(Zeitung;  Le  Peuple,  2.  Sept,  1849).
4 )  1 er  Memoire  sur  la  propriete,  S.  204.
5 )  Contradictions,  Bd.  II,  S.  203.
6 )  Organisation  du  credit  et  de  la  circulation,  S.  131.  An  einer
anderen  Stelle:  „Um  alles  mit  einer  hegelianischen  Formel  auszudrücken,  könnte  ich
            
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