Full text : Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

Kapitel  II.  Höhepunkt  und  Niedergang  der  klassischen  Schule.  Stuart  Mill.  395

will  Dükoyee  denn  mehr,  da  er  doch  zugibt,  daß  keinerlei  Arbeit
irgendetwas  anderes  zu  tun  imstande  ist?  —  Ohne  Zweifel  sah
Dünoyee  in  dem  Handel  nur  die  rein  juristische  Handlung  des  „do
ut  des“,  und  es  widerstrebte  ihm,  zuzugeben,  daß  eine  einfache
Übereinstimmung  von  Willensbestrebungen  ohne  Arbeit,  ohne  physische ­
  Anstrengung  Werte  schaffen  könne,  ebenso  wie  die  Physiokraten
  nicht  einsehen  konnten,  daß  es  möglich  sei,  Eeichtümer  ohne
Boden  zu  schaffen.

Kapitel  II.
Höhepunkt  und  Niedergang  der  klassischen  Schule.
Stuart  Mill.
Während  die  französischen  Nationalökonomen,  erschreckt  von
den  Folgerungen,  die  sich  aus  den  Theorien  Eicaedo’s  und  Malthus’
ergeben  konnten,  sich  bemühten,  die  ehernen  Gesetze  in  goldene  zu
verwandeln,  schritten  die  englischen  Nationalökonomen  unerschütterlich
auf  dem  von  den  großen  Epigonen  geöffneten  Wege  weiter,  ohne
sich  darum  zu  kümmern,  ob  sie  durch  ihre  Arbeit  den  Sozialisten
Waffen  lieferten.
Die  30  Jahre,  welche  die  Veröffentlichung  der  „Principles
of  Political  Economy“  Eicaedo’s  (1817)  von  dem  den  gleichen
Titel  tragenden  Buche  Stuaet  Mill’s  (1848)  trennen,  werden  nur
von  Volkswirtschaft!ern  zweiten  Eanges  ausgefüllt,  die  sich  weniger
darum  bemühen,  neue  Prinzipien  zu  entdecken,  als  die  schon  aufgestellten ­
  zu  befestigen  und  zu  erweitern.  Damit  soll  nicht  gesagt
sein,  daß  es  zu  dieser  Zeit  in  England  keine  anderen  befähigten
Nationalökonoraen  gegeben  habe,  die  gewisse  —  oft  sehr  bedeutsame
Punkte  —  der  herrschenden  Lehre  kritisierten  *).  Man  achtete  aber
in  England  ebensowenig  auf  ihre  Ideen,  wie  man  damals  Couenot  in
Frankreich  oder  etwas  später  Gossen  in  Deutschland  las..
Es  ist  dies  die  Zeit,  in  der  Fräulein  Maexineau  und  Frau
Maecet  die  Nationalökonomie  darstellten,  und  zwar  die  eine  in
Form  von  Erzählungen,  die  andere  in  Form  von  Zwiegesprächen
*)  Sbligman  hat  im  Economic  Journal  von  1903  (S.  335  und  511)  diesen
Schriftstellern  zwei  sehr  interessante  Aufsätze  unter  dem  Titel:  On  some  neglected
British  Eeonomists  gewidmet.  —  Man  war  über  die  Menge  dieser  vergessenen
britischen  Volkswirtschaftler  und  die  Originalität  ihrer  Theorien  erstaunt,  von  denen
viele  von  den  heutigen  Yolkswirtschaftlern  bloß  wieder  entdeckt  worden  sind.
            
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