Full text: Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

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Viertes Buch. Die Abtrünnigen. 
Oomte ein Vorläufer dieser Methode, wie sie sich seitdem entwickelt 
hat, gewesen sei, scheint uns ganz und gar unberechtigt. — Trotzdem 
ist die Übereinstimmung zwischen seinen Ansichten und denen Knies’ 
und Hxldebrand’s nicht weniger interessant, weil sie ein neuer Be 
weis für das Bewußtsein ist, das gewisse bedeutende Denker um die 
Mitte des Jahrhunderts von der Notwendigkeit hatten, die in den 
„großen Gesetzen“ versteinerte Nationalökonomie durch neue Methoden 
wieder zu beleben. 
Es scheint uns daher, als ob die historische Schule sich Illusionen 
hingegeben habe, als sie in der Geschichte das Hauptinstrument sah, 
das eine Erklärung der Gegenwart gestatte, und hoffte, auf Grund 
der Geschichte besondere Gesetze entdecken zu können, die sich als 
die Entwicklungsgesetze der Völker ausweisen würden. 
Dagegen hat sie mit großer Berechtigung verlangt, daß neben 
der eigentlichen wirtschaftlichen Theorie dem Studium der Einrich 
tungen, der Statistik und der Wirtschaftsgeschichte ein viel größerer 
Platz eingeräumt werde. Nicht nur bietet die Beschreibung des kon 
kreten, wirtschaftlichen Lebens an und für sich ein bedeutendes In 
teresse, sondern sie ist die grundlegende Bedingung aller theoretischen 
Spekulation. Der Theoretiker kann die genaueste Beobachtung der 
Tatsachen nicht entbehren. Ohne sie schweben seine Gebäude in 
der Luft. Die abstraktesten Volkswirtschaftler haben dies ohne 
weiteres anerkannt. Unter anderen schrieb Jevons schon 1879, daß 
nach seiner Ansicht, „sich auf alle Fälle eine Wissenschaft der 
Mittel, welches der historische Schluß verwendet, ist die Analogie. Sie beherrscht 
alle Schlüsse über die äußeren Kräfte, welche die Gestalt des Ereignisses be 
einflußt haben, bis zu den rein mechanischen Vorgängen hinab, vor allem aber 
alle Urteile auf dem reizvollsten Gebiet der Geschichte, dem der inneren Momente 
oder der psychologischen Faktoren . . . Hier tritt uns die Tatsache hindernd ent 
gegen, daß die Vorgänge in der Seele eines anderen sich jeder unmittelbaren 
Erkenntnis entziehen und nur aus seinen Handlungen durch einen Analogieschluß 
auf uns selbst erschlossen werden können. Die innere Einheit der psychischen Vor 
gänge in einem Menschen läßt sich vollends nur durch Intuition künstlerisch er 
fassen, aber niemals wissenschaftlich erkennen . . . Wir stehen also hier hart an der 
Grenze dessen, was überhaupt noch selbst innerhalb des problematischen Schlusses 
als wissenschaftlich erkennbar bezeichnet werden kann“. (Vgl. Ed. Meyer, Ge 
schichte des Altertums, Einleitung, 2. Ausg. § 114). Zwischen dieser 
Methode und der, von der uns Auguste Comte spricht, entdeckt man keine Art 
irgendwelcher Beziehungen. Hiervon kann man sich noch weiter überzeugen, wenn 
man die Introduction aux etudes historiques von Langlois und Seignobos 
(1898) liest oder die Untersuchung G. Monod’s über die historische Methode in: De 
la methode dans les Sciences (Paris, 1909), oder weiter die über diese 
Fragen der Methode in der K e v u e deSynthese historique zahlreich -erschienenen 
Aufsätze.
	        
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