Kapitel II. Der Staatssozialismus.
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Was ist nun eine gerechte Verteilung? Eodbbbtus antwortet;
die, die jedem Arbeiter das Erzeugnis seiner Arbeit gibt 1 ). Wird
nun dieser Erfolg in der bestehenden Ordnung der freien Konkur
renz und des Privateigentums erzielt?
Um dies zu erfahren, müssen wir den Mechanismus der Ver
teilung, so wie er heute besteht, untersuchen. Die Beschreibung,
die Eodbertus davon gibt, unterscheidet sich nicht von der, die
J.-B. Sat davon geben würde. Sie stimmt in allen Punkten mit dem
klassischen Schema überein. Auf der einen Seite kauft der Unter
nehmer die Dienste der Arbeit, des Kapitals und des Bodens; auf
der anderen verkauft er die Erzeugnisse, die aus ihrem Zusammen
wirken entstehen. Der Preis, den er für diese Dienste zahlt, und
der, den er selbst vom Verbraucher erhält, ergibt sich auf jedem
dieser Märkte aus dem Stand des Angebotes und der Nachfrage.
Der Gewinn ist das, was nach Bezahlung der Löhne, der Zinsen und
der Bodenrente von dem Verkaufspreise übrig bleibt 2 ).
So vollzieht sich die Verteilung des Profites durch den Mecha
nismus des Tausches, und dessen Wirkung besteht darin, dem Besitzer
eines jeden produktiven Dienstes den Marktwert dieses Dienstes zu
verschaffen. Anscheinend gibt es nichts Gerechteres . . . aber eben
nur anscheinend, denn wenn wir die soziale und moralische Wirk
lichkeit, die sich unter diesem automatischen Mechanismus verbirgt,
untersuchen, so bemerken wir sogleich, daß er auf eine Beraubung
des Arbeiters durch die Besitzer des Bodens und des Kapitals hinaus-
länft. Woher kommen nämlich alle die Produkte, die der Tausch
unter so viele verschiedene Nutznießer verteilt? Einzig und allein
vom Arbeiter. Sie haben nichts als Arbeit, ja sogar, nichts
als Handarbeit gekostet. Nicht als ob Eodbertus die intellektuelle
oder die wirtschaftliche Arbeit der Leitung verachtete. Weit davon
entfernt. Aber auf Grund einer recht seltsamen Auffassung er
scheint ihm die Intelligenz als eine unerschöpfliche Kraft, deren
Verbrauch infolgedessen keine Kosten verursacht, ebenso wie der
Verbrauch der natürlichen Kräfte der Natur nichts kostet. Nur die
Handarbeit bedingt einen Verbrauch an Kraft und Zeit, also das
Opfer, die Aufgabe einer bestimmten Sache, die man, einmal
verausgabt, nicht wiederfindet 3 ). Noch weniger gibt Eodbertus zu,
x ) Übrigens fügt Eodbbktus hinzu, daß ein Teil des Gesamterzeugnisses eines
jeden ihm genommen werden soll, nm den öffentlichen Bedürfnissen zu dienen
(Kapital).
2 ) Kapital.
3 ) Vgl. Zur Erkenntnis usw. S. 7—10: „Alle wirtschaftlichen Güter kosten
weiter nichts als Arbeit“. . . . (Auf Grund des franz. Textes. Anm. des Übers.) In
dem 3. sozialen Brief drückt er diesen Gedanken in der folgenden etwas ver-
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