Full text: Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

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Viertes Buch. Die Abtrünnigen. 
beiden Seiten der Güterverteilung herausgearbeitet. Er zeigt mit 
unvergleichlicher Kraft den ewigen Widerspruch, der für so viele 
Denker ein Stein des Anstoßes gewesen ist, und der zwischen unserem 
Gerechtigkeitsgefühl, das die Entlohnung eines jeden im Verhältnis 
zu seiner Leistung verlangt, und der Gleichgültigkeit der Gesell 
schaft besteht, die, vor allem anderen mit der Befriedigung ihrer 
Bedürfnisse beschäftigt, einzig und allein den Marktwert der Dienste 
und der Produkte in Betracht zieht, ohne sich über ihren Ursprung 
oder die Anstrengungen, die sie gekostet haben, Gedanken zu 
machen, — und unterschiedslos die Tagesarheit des Arbeiters und 
das von dem ersten besten Müßiggänger ererbte Kapital in gleicher 
weise entlohnt. Es ist das unzweifelbare Verdienst Rodbeetus’, 
diese Wahrheit aus den oft verworrenen Auseinandersetzungen der 
früheren Schriftsteller herausgearbeitet und sie mit unbestreitbarer 
Autorität der Aufmerksamkeit der Volkswirtschaftler aufgezwungen 
zu haben. 
Hierbei bleibt aber die Kritik Rodbeetus’ nicht stehen — und 
wenn auch vom Gesichtspunkt der Geschichte der Doktrinen der 
Nachweis, den wir eben zusammengefaßt haben (der Unterschied in 
der Verteilung vom sozialen und vom rein wirtschaftlichen Gesichts 
punkte aus) sein hauptsächlichstes Verdienst vorstellt —, so müssen 
wir doch noch auf die Folgerungen, die er daraus zieht, eingehen. 
Was Rodbeetus von seinem Standpunkt aus am meisten inter 
essiert, ist nicht, — wie man schon bemerkt haben wird, — die Art 
und Weise, wie sich die Höhe des Lohnes, der Zinsen oder der 
Pacht festsetzt. In seinen Augen ist dies ein durchaus neben 
sächliches, fast gleichgültiges Problem, im Vergleich zu der viel 
wichtigeren sozialen Frage: welches sind die proportionalen 
Anteile, die die Arbeiter und die Nichtarbeiter am nationalen 
Produkt erhalten? Er glaubt nachgewiesen zu haben, daß die Arbeiter 
beraubt werden; aber wird diese Beraubung ewig dauern? Strebt im 
Gegenteil der wirtschaftliche Fortschritt nicht darauf hin, „die Rente“, 
nämlich das arbeitslose Einkommen, nach und nach zu verringern, und 
zwar zugunsten des Lohnes? Bastiat und Caeey haben dies geglaubt. 
Sie behaupteten, daß der proportionale Anteil des Kapitals am Produkt 
beständig geringer werde, und zwar zugunsten des auf die Arbeit 
entfallenden Anteils. Ricardo hatte sich dieselbe Frage vorgelegt und 
war, auf Grund der unvermeidlichen Preissteigerung der Nahrungs 
mittel, zu dem Schluß gekommen, daß der Anteil der Großgrund 
besitzer zum Nachteil der beiden anderen beständig größer werde. 
J.-B. Say hatte sich schon zur Zeit der ersten Ausgaben seines 
Traite diese Frage vorgelegt, aber ohne sie zu beantworten. Eod- 
bektus nimmt weder die Lösung Bastiat’s, noch die Ricaedo’s
	        
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