Full text : Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

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Viertes  Buch.  Die  Abtrünnigen.

„Im  Jahre  2000!“  Er  begnügt  sich  mit  dem  Nachweis,  daß  dieselben
Gesetze,  die  die  Schaffung  und  Entwicklung  der  kapitalistischen  Ordnung ­
  bestimmt  haben,  auch  ihren  Untergang  bestimmen J ).  Der  natürliche ­
  Lauf  der  Dinge  wird  ihn  herbeiführen:  ihr  Finde  ist  Selbst-Zerstörung.
  „Der  Kapitalismus“,  sagt  ein  Sozialist  der  marxistischen ­
  Schule,  „schafft  selbst  seine  eigene  Vernichtung,  und  dies  mit
der  Fatalität,  die  den  Umwandlungen  in  der  Natur  zugrunde  liegt“ 2 ).
Im  folgenden  führen  wir  einige  der  Tatsachen  an,  die  uns  ankündigen,
daß  diese  Selbstzerstörung  schon  jetzt  am  Werke  ist:
a)  Die  Krisen  der  Überproduktion  (oder  vielmehr  der  Unterkonsumtion) ­
  werden  chronisch.  Sie  ruinieren  den  Kapitalismus  und
sind  doch  mit  ihm  unlöslich  verbunden.  Denn  das  beständige  Anwachsen ­
  des  konstanten  Kapitals  im  Verhältnis  zum  variablen  Kapital
(mit  anderen  Worten  die  Verwendung  von  Maschinen,  die  eine'  Verminderung ­
  der  menschlichen  Arbeit  nach  sich  zieht),  drängt  beständig
auf  ein  Fallen  des  Mehrwertes  hin.  Um  gegen  diesen  Rückgang  anzukämpfen, ­
  sind  die  Kapitalisten  gezwungen,  ohne  Unterlaß  die  Produktion ­
  zu  vermehren,  oder,  wie  man  sagt  „die  Menge  muß  es  bringen“.
Auf  der  anderen  Seite  ist  es  den  Arbeitern  mehr  und  mehr  unmöglich,
mit  ihrem  Lohn  die  Erzeugnisse  ihrer  Arbeit  zurück  zu  kaufen,  weil
sie  niemals  einen  mit  dem  Erzeugnis  ihrer  Arbeit  gleichen  Wert  als
Lohn  erhalten,  und  weil  sie  sich  außerdem  periodisch  ohne  Arbeit
finden,  —  zeitweilig  zur  Arbeitslosigkeit  verdammt  sind.  Wie  wir  schon
gesehen  haben,  ist  dies  auch  ein  Gedanke  Peoudhon’s,  auf  den  er
besonderen  Nachdruck  legte,  und  wir  haben  hier  einen  der  Fälle,  in
denen  es  schwer  sein  dürfte,  den  Einfluß  Puoudhon’s  auf  Mabx  zu
leugnen.
Die  bezeichnendste  Idee  der  marxistischen  Theorie  ist  daher,  daß
jede  Krise  von  einer  Störung  des  Gleichgewichts  zwischen  dem  variablen
und  dem  konstanten  Kapital  herrührt,  weil  das  beständige  Wachstum
des  letzteren  in  einem  gegebenen  Augenblick  ihm  die  Unterlage
entzieht  —,  daß  aber  die  Krisis  selbst,  indem  sie  den  Zusammenbruch
eines  Teiles  des  konstanten  Kapitals  hervorruft,  dem  Mehrwert  gestattet, ­
  einen  neuen  Aufschwung  zu  nehmen,  —  bis  eine  neue  Übertreibung ­
  der  Kapitalisation  eintritt,  eine  neue  Krise  nach  sich  zieht
und  so  im  Kreislauf  weiter 8 ).
1 )  Dieses  angebliche  Gesetz  wird  hauptsächlich  im  kommunistischen  Manifest
mit  großer  Beredsamkeit  dargelegt.
2 )  Labriol  a.
s )  „Die  ganze  Bewegungsform  der  modernen  Industrie  erwächst  also  aus  der
beständigen  Verwandlung  eines  Teiles  der  Arbeiterbevölkerung  in  unbeschäftigte
oder  halbbeschäftigte  Häude.  Die  Oberflächlichkeit  der  politischen  Ökonomie  zeigt
sich  u.  a.  darin,  daß  sie  die  Expansion  und  Kontraktion  des  Kredits,  das  bloße
Symptom  der  Wechselperioden  des  industriellen  Zyklus,  zu  deren  Ursache  macht.
            
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