Kapitel III. Der Marxismus.
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mittein und deren Rückgabe an die Arbeiter, — nicht individuell,
denn das ist unter den neuen Bedingungen der Produktion unmöglich,
sondern kollektiv. Dieses Mittel ist, um die überall an erster Stelle
in den Parteiprogrammen eingeschriebene Formel zu gebrauchen: die
Vergesellschaftung der Produktionsmittel. Land, Boden,
Untergrund, Fabriken, Kapitalien. Das Arbeitsprodukt aller wird
verteilt, nach Abzug der für das Allgemeinwohl erforderlichen Be
träge, und zwar im Verhältnis zur Arbeit eines jeden. So wird die
Mehrarbeit und der Mehrwert, den sie erzeugt, verschwinden.
Diese Expropriation der Kapitalisten wird die letzte der Geschichte
sein, da sie sich diesmal nicht mehr wie die vorhergehenden Expro
priationen im Nutzen einer anderen Klasse, — nicht einmal der
Arbeiterklasse — sondern im Nutzen aller, der Nation selbst, voll
ziehen wird. Die Form des Eigentums wird endlich der der Produk
tion entsprechen, wie sie der Lauf der Dinge ihr bereits aufge
zwungen hat: beide werden jetzt kollektiv sein.
II.
Die marxistische Schule.
Nach dieser summarischen Darlegung der wichtigsten Theorien
Karl Marx’, werden wir jetzt eine Darlegung der allgemeinen
Charakterzüge der sozialistischen Schule, die seinen Namen trägt,
versuchen *) und ausfiihren, wie sie sich von den hier schon unter
suchten sozialistischen Schulen unterscheidet.
*) Marx als das Haupt einer großen sozialistischen Schule zu bezeichnen, wäre •
zu wenig gesagt; man muß unbedingt zugeben, daß die ungeheuere Mehrzahl aller
derjenigen, die sich in allen Ländern Sozialisten nennen, in engerem oder weiterem
Sinn seine Schüler sind. Die anderen sozialistischen Schulen, wie die Anarchisten,
die Fabier in England, die Colinsiens in Belgien, die Anhänger Henry George’s
sind neben den marxistischen Sozialisten ohne Bedeutung.
Hauptsächlich in Deutschland und Bußland bat der Marxismus die meisten
Anhänger, und in England die wenigsten. In Frankreich haben Jules Güesdb
und Lafaegue (dieser letztere ein Schwiegersohn Marx’) sich seit 1878 zu Vor
kämpfern des reinen Marxismus gemacht. Eine große Anzahl der französischen
Sozialisten aber haben die marxistische Lehre nicht in ihrer ganzen Starrheit ange
nommen, auch wenn sie das kollektivistische Programm vertreten. Sie haben nur
die drei großen Grundsätze der Sozialisation der Produktionsmittel, des
Klassen kampf es, und des Arbeiter-Internationalismus übernommen,
lassen aber im allgemeinen die Werttheorie und besonders den historischen
Materialismus beiseite. Sie haben nicht mit der französischen sozialistischen
Überlieferung brechen wollen, die höchst idealistisch war. BenoIt Malon, der
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