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Erstes Buch. Die Begründer.
Gesetzen und den Physiokraten, die sie inspiriert hatten, die Schuld /
gab. Trotz ihrer Proteste wurde das liberale Gesetz 1770 wieder
aufgehoben, um 1774 von Tuegot wieder eingeführt und 1777 von
Neckee von neuem aufgehoben zu werden, ein Hin und Her, das die
Unschlttssigkeit der öffentlichen Meinung gut wiederspiegelt.
Diese neue Gesetzgebung und das physiokratische System im
allgemeinen hatten übrigens einen lebhaften, energischen Widersacher
gefunden, den Abbe Galiani, einen neapolitanischen Monsignore am
französischen Hof, der, 21 Jahre alt, in italienischer Sprache ein be
merkenswertes Buch über das Geld, und 1770, in ausgezeichnetem
Französisch die Zwiegespräche über den Getreidehandel
(dialogues sur le commerce des bles) geschrieben hat, die einen großen
Erfolg hatten und besonders von Voltaire über alle Maßen gerühmt
wurden. Ihre Form ist jedoch bei weitem wertvoller als ihr Inhalt.
Galiani war dem „laisser faire“ gegenüber nicht gerade feindlich;
„Soweit wie möglich soll man nichts verbieten“ sagte er, „so oft
wie möglich soll man sich auf die Seite der Freiheit stellen 1 ).“ Er
erklärte sich aber gegen jedes allgemeine System und besonders gegen
jede Unterwerfung unter den Willen der „Dame Natur“: „Sie ist“,
sagte er, „eine viel zu große Dame, um sich mit unseren Kleinig
keiten zu befassen 2 ).“ " Wie die realistische oder historische Schule
unserer Tage schrieb er, daß man: „die Prinzipien dem Orte, der Zeit
und den Umständen anpassen müsse. Von welchem Reiche will man
sprechen? Wie ist seine Lage usw.“? 3 ) J l'
An die Seite Galiam’s kann man den großen Finanzmann Neckee
stellen, der 1775 in einem dicken Buche: die Gesetzgebung und
der Getreidehandel (la legislation et le commerce des grains)
ungefähr die gleichen opportunistischen Gedanken entwickelte, und als
Minister (1776—1781 und 1788 — 1790) den freien Getreidehandel unter
sagte.
Nicht zu übersehen ist aber, daß die Physiokraten für einen
Zweig des Handels, einen einzigen! und nicht den unbedeutendsten
gesetzliche Vorschriften beibehielten. Dies ist der Handel mit Geld,
das Geldleihgeschäft. Der Marquis Mieabeau erkannte nur die Be
rechtigung der landwirtschaftlichen Darlehne an, weil nur dort die
Zinsen einem wirklichen Güterzuwachs, einem vermehrten Reinertrag,
entsprächen, aber im Handel wollte er jedes Darleihen verbieten oder
doch beschränken. Er ließ es sogar an recht beleidigenden Aus-
0 Dialogues, S. 264, 274.
2 ) Ebenda, S. 237.
3 ) Ebenda, S. 22. Übrigens schlug er selbst ein ziemlich kompliziertes System
vor, das sehr mäßige Getreideausfuhr- und Einfuhrzölle Torsah, und zwar etwa 10 °/ 0
im ersten und 5°/ 0 im zweiten Falle.