Full text : Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

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Fünftes  Buch.  Die  Lehren  der  neuesten  Zeit.

Brücke  abgebrochen.  Es  kostete  sie  keine  Mühe,  nachznweisen,  daß
dies  vorgebliche  Gesetz,  das  von  der  Nationalökonomie  wie  ein  geometrisches ­
  Axiom  betrachtet  worden  war,  wie  ein  Quid  inconcussum,
  auf  das  sie  alle  ihre  Gebäude  errichtet  hatte,  gerade  ein
echtes  Schulbeispiel  für  die  Kreisschlüsse  war,  von  denen  wir  eben
gesprochen  haben.  Unter  den  Volkswirtschaftlern  erregte  es  großes
Aufsehen,  als  man  sich  um  die  Mitte  des  19.  Jahrhunderts  dazu  gezwungen ­
  sah,  dies  anzuerkennen.  In  der  Tat,  wenn  der  Preis  von
dem  Angebot  und  der  Nachfrage  bestimmt  wird,  so  ist  es  nicht
weniger  wahr,  daß  Angebot  wie  Nachfrage  ihrerseits  vom  Preise  bestimmt ­
  werden,  so  daß  es  unmöglich  wird,  zu  wissen,  welches  von
beiden  Ursache  und  welches  Wirkung  ist.  Übrigens  hatte  Stuaet
Mill  diesen  Widerspruch  schon  bemerkt  und  hatte  ihn  in  der  Weise,
die  wir  auf  S.  408  ausgeführt  haben,  verbessert.  Er  wußte  aber
nicht,  daß  schon  vor  ihm  und  besser  als  er  Couenot  die  Formel,  die
wir  soeben  wüeder  angeführt  haben,  zerstört  hatte,  indem  er  ihr  die
gegenüberstellte,  die  in  Wirklichkeit  die  hedonistische  Methode  einführt: ­
  „Die  Nachfrage  ist  eine  Funktion  des  Preises  Q,“  womit  gesagt
werden  soll,  daß  sie  sich  zu  dem  Preis  verhält  wie  eine  Schale  der
Wage  zur  anderen,  d.  h.  bei  steigendem  Preise  fällt  und  bei  fallendem
steigt.  Aber  auch  das  Angebot  ist  eine  Funktion  des  Preises,  nur
in  einer  ganz  verschiedenen  Beziehung,  da  es  ihm  in  seinen  Bewegungen ­
  parallel  folgt,  und  mit  ihm  steigt  und  fällt.  So  verhalten
sich  Preis,  Angebot  und  Nachfrage  wie  die  drei  fest  verbundenen
Teile  eines  Mechanismus,  die  sich  nicht  ein  jeder  für  sich  bewegen
können.  Es  handelt  sich  nun  darum,  die  Gesetze  ihrer  gegenseitigen
Abhängigkeit  zu  bestimmen.
Dies  will  nicht  besagen,  daß  das  Gesetz  des  Angebotes  und  der
Nachfrage  von  nun  an  aus  dem  wirtschaftlichen  Wörterbuche  gestrichen ­
  ist,  sondern  nur,  daß  es  eine  andere  Bedeutung  erhalten  hat.
Heute  drückt  man,  wie  wir  sehen  werden,  das  Gesetz  des  Angebots
und  der  Nachfrage  durch  das  aus,  was  man  „die  Kurve  der  Nachfrage“ ­
  oder  des  Angebotes  nennt,  Kurven,  die  einfach  das  Theorem
Cotjrnot’s,  daß  die  Nachfrage  eine  Funktion  des  Preises  ist,  graphisch
darstellen.
Ebenso  geht  es  mit  dem  Gesetz,  nach  dem  „die  Produktionskosten ­
  den  Wert  bestimmen“.  Die  gleiche  petitio  principiü
Wer  kann  nicht  sehen,  daß  gerade  im  Gegenteil  der  Unternehmer
seine  Produktionskosten  nach  dem  Preise  einstellt  und  regelt?  Die
klassische  Schule  hatte  dies  wohl  für  eines  der  Elemente  dieser

*)  Recherches  snr  les  Principes  mathematiques  de  la  theorie
des  richesses.
            
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