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Fünftes Buch. Die Lehren der neuesten Zeit.
im stillen gezogen hat, zu überschreiten; dann wird der Punkt
des Abschlusses durch einen Feilschhandel bestimmt werden 1 ).
3. Eine weitere Frage; Warum gibt es auf dem Markte nur
einen gleichen Preis für gleiche Gegenstände? — Wenn doch diese
Nützlichkeit in jeder Einheit besonders und für jedes Individuum
subjektiv in Betracht gezogen werden soll, so scheint es, als ob es
fast ebensoviel verschiedene Werte, wie Einheiten geben müsse, da
[ ) Hier ersetzen nun Ziffern und Diagramme vorteilhaft lange Ausführungen.
Wenn wir nämlich eine aufsteigencle Kurve zeichnen, die die Nützlichkeit jeder
Handvoll hingegebenen Salzes vorstellt, und eine absteigende Kurve, die die Nützlichkeit
jeder Handvoll erworbenen Reises vorstellt, so müssen sich diese Kurven notwendiger
weise schneiden, da sie in umgekehrter Richtung verlaufen; der Punkt, an dem
sie sich schneiden, ist nun gerade der, an dem beide ausgetauschten Handvoll
gleich sind.
Hier muß aber eine Verwechslung vermieden werden: man ist geneigt zu
glauben, daß jeder Austausch eine Gleichwertigkeit bedeutet, d. h. eine Gleichheit
des Grenznutzens einer jeden Ware für die beiden Austauschenden. Das ist durchaus
nicht der Fall. Zwischen dem Wunsch des einen und dem des anderen besteht
kein gemeinsames Maß — keine Brücke (no bridge), wie die englischen
Hedonisten sagen —, sondern es handelt sich um die Gleichheit des Grenznutzens der
beiden Waren für denselben Austauschenden. Im Innern eines jeden
geschieht das Wägen. Und der auf dem Markte verwirklichte Austausch ist nur
die Resultante aller dieser möglichen Tausche.
Die österreichische Schule zieht zur Erklärung des Tausches eine Hypothese
zu Hilfe, die vielleicht nicht unentbehrlich ist, denn andere Volkswirtschaftler, wie
Waleas, sind sehr gut ohne sie ausgekommen; es ist das, was sie das Grenzpaar
nennt. Man muß sich Verkäufer und Käufer in zwei Reihen einander gegen
über aufgestellt denken. Auf seiten der Verkäufer mißt ein jeder dem Gegen
stände, den er besitzt und verkaufen will, eine verschiedene Nützlichkeit bei;
auf seiten der Käufer tut ein jeder dasselbe mit Hinsicht auf den zu erwerbenden
Gegenstand. Zwischen dem Verkäufer nun, der dem von ihm zu verkaufenden
Gegenstand die größte Nützlichkeit beimißt, der also am wenigsten zum
Verkauf geneigt sein wird, und dem Käufer, der im Gegenteil dem von ihm
zu erwerbenden Gegenstand die geringste Nützlichkeit beimißt, dem also, der am
wenigsten zum Kauf geneigt sein wird, wird sich hier der erste Austausch
vollziehen, der den Marktpreis für alle anwesenden Parteien festlegt. Auf den
ersten Blick erscheint es unverständlich, wie das Geschäft von den Gliedern der
beiden Parteien eröffnet werden kann, die am wenigsten Neigung zu einem Abschluß
haben. Es würde natürlicher erscheinen, daß der Handel zunächst zwischen dem
Verkäufer, der am meisten zu einem Verkauf gedrängt ist und nötigenfalls sich
mit 10 Fr. für den Hektoliter zufrieden geben würde, und dem Käufer, der am
meisten zum Kauf gedrängt ist und der schließlich auch 30 Fr. für den Hektoliter
zahlen würde, zustande kommen müsse! Bei einigem Nachdenken wird man aber
sehen, daß der Preis gerade deshalb, weil beide bereit sind, zu jedem Preis abzusohließen,
unbestimmt bleiben wird. Diese beiden Ungeduldigen werden sicherlich abwarten,
bis die am wenigsten zu einem Abschluß gedrängten zu einem Einverständnis
gelangt sind. Es ist natürlich, daß die, die am wenigsten voneinander entfernt
sind, zuerst Zusammenkommen. Diese beiden Austauschenden nun, die so das
Marktgesetz festlegen, nennt man „das Grenzpaar“.