Full text : Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

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Fünftes  Buch.  Die  Lehren  der  neuesten  Zeit.

duktivität  bestimmt,  nämlich  von  dem  Wert,  den  ein  Zusatzarbeiter ­
  (der  Grenz  arbeiten)  zu  erzeugen  vermag,  den  der  Unternehmer ­
  noch  piit  einem  Differential  von  Gewinn  verwenden  kann.
Der  Wert,  den  dieser  fast  überzählige  Arbeiter  hervorbringt,  bestimmt
das  Maximum  dessen,  was  der  Unternehmer  ihm  geben  kann,  und
setzt  zur  gleichen  Zeit  den  Lohn  aller  anderen,  mit  ihm  vertauschbaren ­
  Arbeiter  fest,  nämlich  der,  die  mit  der  gleichen  Arbeitsart  beschäftigt ­
  sind  und  dasselbe  leisten  (obgleich  der  von  den  anderen
Arbeitern  geschaffene  Wert  wahrscheinlich  größer  ist  als  der,  den
der  Grenzarbeiter  liefert).  Gerade  so  wie  unter  hundert  verfügbaren
Gläsern  Wasser  das  am  wenigsten  nützliche  den  Wert  bestimmt,  den
alle  anderen  für  den  Durstigen  haben x ).
Hierdurch  wird  die  Theorie  des  Lohnes,  die  ihn  auf  die  Produktivität ­
  der  Arbeit  gründet,  gleichzeitig  bestätigt  und  verbessert:  wohl
handelt  es  sich  um  die  Produktivität,  aber  um  die  Produktivität  „der
am  wenigsten  produktiven  Arbeit“  —  der  Arbeit,  die  kaum  mehr
ergibt,  als  die  Unterhaltungskosten  des  Arbeiters  betragen.  Hierdurch ­
  wird  die  Theorie  der  Produktivität  ihres  ganzen  optimistischen
Charakters  entkleidet  und  fast  auf  das  Niveau  des  ehernen  Lohngesetzes ­
  gebracht.
Das  gleiche  gilt  für  die  Höhe  der  Zinsen:  das  Kapital,  das  unter
den  ungünstigsten  Produktivbedingungen  angelegt  ist,  das  Grenzkapital, ­
  regelt  den  Zinsfuß,  und  zwar  stets  auf  Grund  des  Gesetzes
der  Substitution,  das  sich  noch  besser  auf  Kapitalien,  als  auf  Arbeiter
anwenden  läßt,  da  unter  der  Form  des  gemünzten  Geldes  alle
Kapitalien  vollständig  identisch  und  nicht  voneinander  zu  unterscheiden ­
  sind 2 ).
Was  die  Bodenrente  anlangt,  so  wird  sie  ausführlicher  in  dem
folgenden  Kapitel  behandelt  werden.  —
So  gelangt  die  psychologische  Schule  von  einigen  wirtschaftlichen
Tatsachen  aus  —  die  auf  den  ersten  Blick  so  bedeutungslos  und  für
die  Wissenschaft  von  so  wenig  Interesse  erscheinen,  tvie  z.  B.  der
Ersatz  des  Kaffees  durch  Zichorie,  den  eine  Köchin  vornimmt,  oder
das  Wegwerfen  eines  alten  Handschuhes,  —  und  durch  allmähliche
logische  Ableitung  zu  ganz  allgemeingültigen  Theorien,  die  eine
unendliche  Zahl  von  Tatsachen  umfassen  —  wie  das  Gesetz  der  Sub-')

  Es  ergibt  sich  von  selbst,  daß  das  Gesetz  keine  Geltung  mehr  hat,  wenn
die  Arbeiter  nicht  untei  einander  ausgetauscht  werden  können,  weil  sie  verschiedene
Fähigkeiten  haben,  denn  das  Gesetz  setzt  stets  die  freie  Konkurrenz  voraus,  und  hier
nehmen  wir  ein  persönliches  Monopol  an.
2 )  Anders  ist  es  jedoch,  wenn  die  Kapitalien  in  der  Form  fester  Anlagen  untergebracht ­
  sind;  dann  gilt  das  Gesetz  der  Substitution  nicht  mehr,  und  die  Einkünfte
können  höchst  verschieden  sein.
            
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