Full text : Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

Kapitel  I.  Die  Physiokraten.

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aber  er  hat  keine  andere  Rolle,  als  diesen  höheren  Gesetzen,  die  er
nicht  gemacht  hat,  als  Ausführungsorgan  zu  dienen.  Man  muß  ihn,
in  dem  Gedankengang  der  Physiokraten,  mit  einem  Kapellmeister
vergleichen,  der  sich  seines  Zepters  nur  wie  eines  Taktstockes  bedient. ­
  Allerdings  ist  der  Despotismus  eines  Kapellmeisters  viel  wirksamer ­
  als  der  des  Zaren,  denn  jeder  der  Musiker  muß,  auf  die  Sekunde
genau,  jeder  Bewegung  seiner  Hand  gehorchen.  Seine  Gewalt  ähnelt
aber  in  nichts  einer  Tyrannei,  da  jeder  der  Ausführenden  ihr  freiwillig ­
  gehorcht,  und  da  jeder,  dem  es  einfallen  sollte,  aus  Opposition
e |ne  falsche  Note  zu  spielen,  nicht  als  ein  Widerspenstiger,  sondern
einfach  als  ein  musikalischer  Dummkopf  angesehen  werden  würde.
Den  Physiokraten  erschien  diese  Herrschaft  unter  der  Form
einer  erblichen  Monarchie,  weil  nach  ihrer  Ansicht,  worauf  wir  schon
an  anderer  Stelle  hingewiesen  haben,  die  Herrschaft,  wie  unter  dem
Feudalismus,  mit  dem  Eigentum  verbunden  war;  und  ebenso  wie  die
Erblichkeit  zum  Grundbesitz  gehört,  gehört  sie  auch  zum  Amt  des
Königs,  n  Der  Herrscher,  der  für  die  Physiokraten  den  von  ihnen  gebäumten ­
  Idealtypus  eines  Despoten  vorstellt,  ist  der  Kaiser  von
China;  er  besitzt  alle  von  ihnen  aufgestellten  Charakterzüge 1 ).*-Als
  Sohn  des  Himmels  verkörpert  er  die  natürliche  Ordnung,  die
gleichen  Zeit  die  göttliche  ist.  Auch  ist  er  landwirschaftlicher
Herrscher,  der  feierlich  einmal  im  Jahre  die  Hand  an  den  Pflug  legt.
E r  läßt  sein  Volk  sich  selbst  regieren,  oder  wenigstens  von  Sitte
Gebrauch  regiert  werden 2 ).
Wird  aber  in  der  Praxis  der  Despot  nichts  zu  tun  haben?  Sicher-Jph
  nicht  viel;  „Ihr  werdet  sehen,  Könige  und  Herrscher,  wie  leicht
le  Ausübung  eurer  geheiligten  Ämter  ist,  die  wesentlich  darin  be-^
 e ht,  das  Gute,  das  von  selbst  wird,  nicht  zu  hindern,  und  die  kleine
^üzahl  von  Menschen,  die  sich  am  Privateigentum  vergreifen,  zu
Strafen 3 ).“

kein  "dieser  höchste  Alleinwille,  der  die  letzte  Instanz  ist,  ist  im  Grunde  genommen
( j es  lnen sehlicher  Wille  mehr:  er  ist  die  verkörperte  Stimme  der  Natur,  die  Ordnung
Urw  Pie  Chinesen  sind  das  einzige  bekannte  Volk,  deren  Philosophen  diese
zu  haben  scheinen.  In  diesem  Sinn  nennen  sie  auch  ihren
1  M  ^ es  Himmels“  (Baüdbau,  S.  798).
Wthuji  T an  kat  i®doch  gesagt  (Pantaueoni  in  seiner  Einführung  zu  dem  Buche
s °baftl^  1 ~' abrioi ' a ’ 8  „Be  dottrine  economiche  di  Quesnay  —  Quesnay’s  wirt-Rolle
  10  e İktrin—),  daß  die  Physiokraten  dem  Feudalismus  gegenüber  die  gleiche
Sc baft  hätten,  wie  die  Sozialisten  späterhin  gegenüber  der  bürgerlichen  Gesellst
 ehen(le\^ 0m  Fetischen  Gesichtspunkt  aus  ist  das  richtig,  da  sie  eine  allein-Pünijt
  lonar chie  ohne  Gegengewicht  erstrebten,  vom  ökonomischen  Gesichtsmit
  f Pl1  ! 1S ,  aker  nicht,  da  ihre  Auffassung  der  Souveränität  und  der  Abgaben  ganz
b'rf 611  ® e ^ an ken  getränkt  ist.
uuont,  Vorrede  zu  den  Werken  Qubsnay’s  I,  S.  35.
            
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