Full text: Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

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Fünftes Buch. Die Lehren der neuesten Zeit. 
c) Die von den Anhängern der Nationalisierung angeführten 
Gründe sind, wie wir gesehen haben, ziemlich verschiedenartig. 
Gossen will das Maximum an Produktivität verwirklichen; Walbas 
denkt zunächst daran, dem Staat die notwendigen Mittel zu sichern; 
eine letzte Kategorie von Schriftstellern sieht darin hauptsächlich 
das Mittel, allen den freien Zugang zum Boden, den freien Boden, 
zu gewährleisten. Dieses Bestreben leitet besonders Alfred Rüssel 
Wallace, den großen englischen Naturforscher, in dem von ihm 
seit 1882 geführten Feldzug zugunsten der Nationalisierung des 
Bodens und liegt dem Buch, in dem er seine Beweisführung zusammen 
faßt, zugrunde: Die Nationalisierung des Bodens, ihre 
Notwendigkeit und ihre Ziele 1 ). 
Für Wallace muß nämlich notwendigerweise die Möglichkeit, 
freien Boden in Besitz zu nehmen, der Abhängigkeit des Arbeiters 
gegenüber dem Kapitalisten ein Ziel setzen. Niemand wird zu einem 
Hungerlohn arbeiten wollen, wenn er sicher ist, auf einem freien Stück 
Boden sein tägliches Brot Anden zu können. Auch wird niemand 
unter Arbeitslosigkeit zu leiden haben, da er stets ein Stück Feld 
zur Bewirtschaftung Anden kann. Der freie Zugang zum Boden löst 
daher sowohl das Problem des Pauperismus, wie das der Arbeits 
losigkeit, und das wird die glücklichste Folge der Nationalisierung 
sein 1 2 3 ). 
„Die Hauptsache“, sagt er, „ist, jedem Arbeiter die Freiheit zu 
geben, ein Stück Boden zu besitzen und zu bewirtschaften *).“ Er 
schlägt daher vor, sobald der Boden nationalisiert ist, daß dann jeder 
Bürger das Recht habe, einmal in seinem Leben, sich unter 
den noch freien Bodenparzellen ein Stück von 1 bis 5 Acker auszu 
suchen, unter der Bedingung, es in Besitz zu nehmen und persönlich 
zu bewirtschaften 4 ). 
Der große Vorzug dieser Auffassung liegt in ihrer außerordent 
lichen Einfachheit. Sie beruht nicht, wie die vorher besprochenen, 
1 ) Land Nationalization, its necessity and its aims, 1882. 
2 ) Ygl. Escabba, op. cit. S. 224; siehe auch Laveleye, Le Socialisme con- 
temporain, 8. Ausg., Anhang I. 
3 ) Angeführt von Mütin: Le Socialisme en Angleterre (1897\ S. 179. 
*) „Der Besitz eines Stück Landes gestattet dem Arbeiter, sich der Abhängig 
keit von dem Kapitalisten, die eine Ursache des Pauperismus ist, zu entziehen. Der 
Arbeiter, der Boden besitzt, ist frei; wenn er keine Arbeit hat, bleibt ihm stets 
etwas zu tun übrig.“ Und an anderer Stelle: „Wenn den Arbeitern eine gewisse 
Menge Boden überlassen wird, so wird ihr Lohn mit Sicherheit steigen, denn nie 
mand würde für jemand anderen arbeiten, wenn er dabei nicht mehr verdient, als 
er verdienen kann, wenn er für sich selbst arbeitet.“ Angeführt von Escahra, 
Dissertation, S. 224, Anm. Man trifft übrigens die gleiche Idee bei Henry 
George, obgleich sie nicht an die erste Stelle gerückt ist (Escahra, op. cit., S. 229).
	        
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