Full text : Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

Kapitel  I.  Die  Physiokraten.

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beschränkt 1 ).  Es  ist  ganz  charakteristisch,  daß  der  Erfinder  der
natürlichen  Ordnung  ohne  Erstaunen  und  als  etwas  Natürliches,  d.  h.
übereinstimmendes  mit  dieser  natürlichen  Ordnung  zugibt,  daß  die
Arbeiter  nur  gerade  das  zum  Leben  Notwendigste  haben!
Auch  ist  es  bemerkenswert,  daß  die  Physiokraten,  wenn  sie  die
industrielle  Klasse  in  Bausch  und  Bogen  betrachten,  nur  die  Lohnempfänger ­
  im  Auge  haben  und  die  Unternehmer  ganz  außer  acht
lassen,  deren  Profit  doch  schon  zu  ihrer  Zeit  groß  und  wohl  einschränkbar
  war.  Hier  hätte  sie  der  reiche  Finanzier  Voltaire’s  in
Verlegenheit  bringen  können,  denn  es  würde  ihnen  Mühe  gekostet
haben,  darzulegen,  daß  dieser  seinen  Verbrauch  nicht  ohne  Schädi-§
 Un g  der  Produktion  hätte  einschränken  können.  Wahrscheinlich
Würden  sie  aber  geantwortet  haben,  daß,  da  dieser  Finanzier  es  verstanden ­
  habe,  vom  Staat  und  von  seinen  Mitbürgern  400  000  Fr.  zu
^•schwindeln,  es  ihm  ein  Kinderspiel  gewesen  wäre,  sich  den  Betrag
hßr  Steuer,  —  wenn  man  sie  ihm  hätte  auferlegen  wollen  —  auf
Reiche  Weise  zu  verschaffen.
Zweitens;  Ein  weiterer  Einwurf  ist,  daß  die  einzige  Steuer  für
üm  Bedürfnisse  des  Staates  nicht  ausreichen  würde.  „In  mehreren
Staaten,  sagt  man,  würde  das  Drittel,  die  Hälfte  und  sogar  drei  Viertel
reinen  Nettoeinkommens  aller  produktiven  Anlagen  nicht  für
16  jährlichen  Ausgaben  des  öffentlichen  Schatzes  genügen  ..  ..,  wo-Ur
 ch  die  anderen  Steuerformen  nötig  werden 2 ).“
Hierauf  antworten  die  Physiokraten,  daß  die  Anwendung  ihres
.  ^Mischen  Systems  eine  bedeutende  Steigerung  des  Reinertrags,  und
holgedessen  eine  progressive  Steigerung  auch  des  Steuerertrages
s  Erfolg  haben  würde;  daß  man  ebenso  die  Ersparnis,  aus  der
e inah  vollständigen  Abschaffung  der  Erhebungskosten  auf  Grund
er  Einfachheit  dieser  Steuer  in  Rechnung  setzen  müßte;  und  endlich,
das  Interessanteste  ist,  daß  es  keineswegs  Aufgabe  der  Steuer
q  ’  Slc b  den  Bedürfnissen  des  Staates  anzupassen,  sondern  daß  im
genteil  der  Staat  seine  Bedürfnisse  der  Leistungsfähigkeit  des
J  u des  anpassen  müßte.  Der  Vorzug  der  physiokratischen  Steuer
y teht  gerade  darin,  daß  er  den  Steuerertrag  nach  einer  von  der

0  Zweites  wirtschaftliches  Problem,  S.  134.  Qobskay  fahrt  m  seinem
Jsdankengang  in  merkwürdiger  Weise  fort.  Er  nimmt  nicht  an  daß  die  Lohn-^"ünderung
  unter  das  Existenzminimum  den  Tod  einer  großen  Anzahl  von  Menschen
^führen  werde,  sondern  nur  „ihre  Auswanderung  zu  anderen  Völkern  -  eine
A U  se mer  Zeit,  sollte  man  denken,  recht  optimistische  Auffassung  —  und  daß  diese
Auswanderung  durch  Verminderung  der  verfügbaren  Arbeitskräfte,  als  Folge  eine
0  uerhöhung  herbeiführen  würde.  ,  ....  T l m
,  2 )  Baudeau,  S.  770.  „Dieser  Einwurf  beruht  auf  dem  Irrtum,  das  Netto-Jahres-.
  "^nmen  mit  einem  fiktiven  Reinertrag,  der  durch  andere  Abgaben  und  dadurch
'ugte  Lasten  verringert  wird,  zu  verwechseln  (ebenda,  .S,  774).
*' 1  ae  und  Rist,  Gesell,  d.  Volkswirtschaft!.  Lehrmeinungen.
            
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