Full text : Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

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Schlußwort.

ganz,  und  die,  die  wieder  neues  Leben  erfüllt,  kehren  doch  nie  als
ganz  dieselben  wieder.
Was  nun  aber  der  Wissenschaft  und  dem  Unterricht  am  dringendsten ­
  not  tut,  um  sich  zu  entwickeln,  ist  vollständige  Freiheit:  Freiheit
der  Methode,  Freiheit  der  Theorien,  Freiheit  aber  auch  in  den  Idealen
und  den  Systemen,  —  denn  gerade  sie,  dje  auch  den  Gefühlen  ihren
Anteil  belassen,  sind  oft  sehr  wertvolle  Ansporne  zu  wissenschaftlicher
Forschung.  Nichts  ist  verderblicher  als  der  Dogmatismus,  komme  er,
woher  er  wolle.  Leider  sind  in  diesem  Punkt  keine  Schule  und  kein
Land  außer  dem  Bereiche  der  Kritik.
Schon  Sismondi  klagte  den  triumphierenden  Liberalismus  an,  die
Volkswirtschaft  in  eine  Orthodoxie  zu  verwandeln.  Aber  der  Liberalismus ­
  ist  nicht  der  einzige,  der  sich  diesen  Vorwurf  gefallen  lassen
muß.  Vor  wenigen  Jahren  erklärte  der  Führer  der  historischen
Schule  in  Deutschland,  Schmollee,  in  einer  Rede,  die  er  als  Eektor
der  Universität  von  Berlin  hielt,  daß  man  in  Zukunft  auf  öffentlichen ­
  Lehrstühlen  „weder  reine  Marxisten,  noch  reine  Jünger  Smith’s“
zulassen  könne.  Sollte  die  historische  deutsche  Schule  gegen  ihre
Gegner  jenen  Ostrazismus  wieder  einführen  wollen,  unter  dem  sie
früher  selbst  am  meisten  gelitten  hat?  Wir  können  uns  aber  auch
in  Frankreich  nicht  rühmen,  weniger  exklusiv  gewesen  zu  sein.  Die
Gleichgültigkeit  und  sogar  Feindschaft,  mit  der  lange  Zeit  hindurch
die  mathematische  Schule  bei  uns  in  Frankreich  behandelt  wurde,
macht  uns  wenig  Ehre.  Und  diese  gleiche  Intoleranz,  die  man  der
„bürgerlichen“  Nationalökonomie  mit  so  viel  Recht  vorwirft,  findet
sich  ebenso  sehr  im  Sozialismus.  Als  gewisse  Marxisten  in  die
Theorie  Maex’  Bresche  gelegt  hatten,  sah  man  zu  ihrer  Verteidigung
Kämpfer  erstehen,  die  an  autoritärem  Starrsinn  den  Verteidigern  des
Liberalismus  nichts  nachgaben,  als  dieser  sich  von  Neuerungen  bedroht ­
  glaubte.
Daher  ist  die  einzige  große  Nutzanwendung,  die  sich  aus  der
Geschichte  der  Doktrinen  ergibt  die,  daß  der  Geist  der  Kritik  immer
auf  dem  Plane  sein  muß,  immer  bereit,  die  erworbenen  Wahrheiten
aufs  neue  zu  prüfen  und  neue  Beobachtungen  und  Erfahrungen  mit
Bereitwilligkeit  anzuerkennen,  damit  das  Reich  der  Ökonomik  sich
ohne  Ende  ausbreite  und  festige.
            
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