Full text: Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

4. eine zwar ungenaue, aber sehr durchdachte Analyse der Pro 
duktion und der verschiedenen Kapitalkategorien; eine erstmalige 
Klassifizierung der Einkünfte und des Gesetzes ihrer Verteilung; 
5. die klassisch gewordenen Gründe zugunsten des Grund 
eigentums. 
Vom praktischen Standpunkte aus: 
1. Arbeitsfreiheit; 
2. die Freiheit des Binnenhandels und die klassisch gewordenen 
Gründe in bezug auf die Freiheit des Außenhandels; 
3. die Begrenzung der Funktionen des Staates; 
4. der erste Nachweis des Vorzugs der direkten Steuern gegen 
über den indirekten Steuern/ 
Es würde daher nicht gerecht sein, ihnen, wie es verschiedentlich 
geschehen ist, vorzuwerfen, weiter nichts als soziale Metaphysik ge 
trieben zu haben. In den ersten Anfängen einer Wissenschaft ist 
übrigens auch eine übertriebene Systematisierung nie von Schaden; 
denn auch Irrtümer haben da ihren Nutzen. Das einzige, was man 
sagen kann, ist, — wenn ihre Auffassung der natürlichen Ordnung 
der ganzen politischen Ökonomie als Grundlage, oder wenigstens als 
Gerüst gedient hat, — daß sie an einem Optimismus krankte, der die 
liberale Schule, besonders in Frankreich, hypnotisieren und zur Un 
fruchtbarkeit verurteilen sollte 1 ). 
• Die große Unterlassungssünde der Physiokraten ist ihr völliger 
Mangel an Einsicht in bezug auf den Wert, der auf ihrer grob- 
materiellen und rein bäuerlichen Auffassung der Produktion beruht. Sie 
sprechen nur selten und flüchtig davon, und was sie darüber sagen, 
ist mittelmäßig und verworren. Hierauf beruht der große Irrtum, in 
dem sie in bezug auf die Unproduktivität des Güteraustausches und der 
Industrie befangen waren. Das ist um so unverständlicher, da diese 
Frage des Wertes von verschiedenen ihrer Zeitgenossen in sehr be- 
l ) Man höre Mercieb de la EiviEre: „Bewundert, wie ein jeder Mensch das 
Mittel zum Glück der anderen Menschen ist, und das Glück des einzelnen scheint 
wie die Bewegung fortzuwirken. Nehmt dies in seiner wörtlichen Bedeutung! Ich 
weiß nicht, ob wir dann Unglückliche haben werden; wenn es aber solche geben 
sollte, werden es nur wenige sein, und die Glücklichen werden so zahlreich sein, daß 
wir uns nicht wegen des Beistandes zu sorgen brauchen, dessen die Armen bedürfen 
werden. Alle unsere Interessen, all unser Streben wird sieh im Interesse und 
Streben des Herrschers vereinigen und so zu unserem gemeinsamen Glück eine Har 
monie schaffen, die man als das Werk einer wohltätigen Gottheit betrachten kann, 
die da will, daß die Erde mit glücklichen Geschöpfen bevölkert sei (II, 8. 638). 
Es ist aber zu bemerken, daß diese bezaubernde Beschreibung sich nicht aui 
die bestehende Gesellschaft bezieht, sondern auf die zukünftige Gesellschaftsordnung, 
in der die natürliche Ordnung herrschen wird. Dieser Optimismus gleicht dem der 
Anarchisten.
	        
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