Object: Übervölkertes Land

Das Städtewesen. 
In den vorhergehenden Abschnitten haben wir einen Über 
blick über die übervölkerten Gebiete der Erde und insbesondere 
Europas gegeben. Innerhalb dieser Gebiete ist bekanntlich die 
Einwohnerschaft wieder sehr ungleich verteilt. Während auf dem 
Lande verhältnismäßig wenig Menschen wohnen, drängen sie sich 
in den Städten enge zusammen, nur zu oft einer dem anderen 
Licht, Luft und Lebensmöglichkeit einengend. Ohne dieses Zu 
sammenwohnen, das den innigsten geistigen Kontakt, den rasche 
sten Austausch aller neuen Ideen und Errungenschaften ermög 
licht, wäre freilich ein höheres Kulturniveau kaum denkbar. 
Zahlreiche und blühende Städte waren deshalb seit jeher der 
Maßstab für den Kulturgrad eines Landes. Aber wo viel Licht, 
ist auch viel Schatten. Während die Städte einerseits die Träger 
der Kultur sind, bilden sie anderseits die Zentren der Übervöl 
kerung und sind daher die Entstehungsherde aller nachteiligen 
Erscheinungen, die das dichte Beisammenwohnen vieler Menschen 
auf engem Raum mit sich bringt. In den Städten tritt das soziale 
Elend am stärksten auf, von ihnen nehmen daher auch die sozialen 
Bewegungen ihren Ausgang. 
Eine Betrachtung über die Bevölkerungsverhältnisse und ihre 
Rückwirkung auf das öffentliche Leben erfordert also eine wenn 
auch flüchtige Besprechung des Städtewesens. 
Wir wollen dabei, um kurz bleiben zu können, von histori 
schen Rückblicken auf ältere Zeiten, die gewiß manche interes 
sante Yergleichsdaten liefern würden, absehen und uns auf die 
neueste Zeit beschränken. 
Bis zum 19. Jahrhundert stand in den meisten europäischen 
Ländern die Stadtbevölkerung gegenüber der ländlichen an Zahl 
weit zurück.
	        
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