Kapitel II. Adam Smith.
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Theorie der ßente gehabt hätte, würde er nicht auf die „Naturkräfte“
des Bodens zurückzugreifen gebraucht haben, um das Einkommen des
Grundbesitzers zu erklären, und würde wahrscheinlich nicht so leicht
den Gedanken einer besonderen Produktivität des Bodens ange
nommen haben. In volkswirtschaftlichen Theorien aber beruht eines
auf dem anderen. Doch Smith fand im Gegenteil in einer falschen
Auffassung der Eente einen Grund mehr, um an dem Irrtum, den
seine Anhänglichkeit an die Physiokraten verschuldet hatte, festzu-
halten 1 ).
Auf der anderen Seite hatte Smith selbst auch außerhalb seines
Verhältnisses zu den Physiokraten eine besondere Vorliebe für die
Landwirtschaft.
Nichts ist falscher, als in Smith, wie man es manchmal tut, einen
Vorläufer oder Ankündiger des Industrialismus zu sehen und ihn in.
des Lohnes und Gewinnes nötig ist, eine hohe, eine niedrige, oder gar keine Eente“
(1, S. 85, B. I, Kap. XI, Einl.). Es scheint nicht möglich, diese sich wider
sprechenden Auffassungen Smith’s in Übereinstimmung zu bringen. Nach der einen
s °h die Eente ein Bestandteil des Preises sein, und nach der anderen ist sie einfach
eine Eolge dieses Preises.
In der ersten Ausgabe seines Buches ist dieser Widerspruch noch augenschein
licher. Smith führt da aus, daß die Eente mit dem Profit und der Arbeit eine
dritte Wertquelle sei (vgl. Ausgabe Cannan, I, S. 51, Anm. 7). Die Stelle ist
aber in der zweiten Ausgabe ausgemerzt und die Eente wird nur mehr als ein
»integrierender Teil“ des Preises hingestellt. Vielleicht geschah diese Änderung
anf Grund des Briefes, den Hume am 1. April 1776 nach dem ersten Durchlesen
des Völkerreichtums an Smith richtete. Er sagt darin: „Ich kann nicht glauben,
daß die von den Pächtern gezahlte Eente einen Teil des Preises für das Produkt
ausmacht, der mir als aus Angebot und Nachfrage bestimmt scheint“: (Angeführt
v °n J. Eae; Life o£ A. Smith, S. 286). Man sieht, wie die berühmte Streitfrage,
° b die Eente einen Teil des Preises ausmacht oder nicht, nicht von gestern stammt.
Sin ist gleichzeitig mit der Wissenschaft der Nationalökonomie geboren. Wird sie
v ° r ihrem Ende aufhören?
Unt
Sein Irrtum kommt teilweise daher, daß er nicht scharf genug zwischen dem
enternehmergewinn und den Kapitalzinsen unterscheidet. Das Wort Profit bezeichnet
b ei Smith und bei fast allen seinen Nachfolgern gleichzeitig diese beiden Bmkommens-
art en, sobald der Unternehmer zugleich Kapitalgeber ist. Das Wort Zinsen wird nur
auf das Einkommen einer Person angewendet, die ihr Kapital darleiht, ohne selbst
seiner Verwertung beizutragen. „Das Einkommen, welches jemand aus
der Verwaltung oder Verwendung von Kapital bezieht, heißt Gewinn (Profit). Das-
jenige Einkommen aber, welches jemand aus dem Kapital zieht, das er nicht se s
^»wendet, sondern einem anderen leiht, heißt Geldzins oder Interessen (I, S. -9,
B - I, Kap. VI) 3 -B Say war der erste, der den Begriff Unternehmer klar hervor-
hob - Wenn Smith die Punktionen des Unternehmers besser unterschieden hatte,
wü rde er wahrscheinlich bemerkt haben: 1. daß der industrielle Unternehmer oft,
auß er dem Kapitalzins, noch Miete für den Grund und Boden zahlt; 2. daß der
«‘gentliche Profit einen Bestandteil enthält, der der Grundrente analog ist. Smith
betrachtet aber den Profit nur als Entschädigung für das übernommene Eisiko oder
a s Lohn für die Arbeit der Leitung.