Full text : Meyer Amschel Rothschild, der Gründer des Rothschildschen Bankhauses

Testierenden  390  000  Rtir.  zur  Ausfertigung  bei.  Der  Kurfürst  aber
war  noch  nicht  beruhigt.  Er  wollte  erst  noch  wissen,  ob  Rothschild
sich  nicht  bereit  finden  lasse,  wenigstens  für  100  000  bis  200  000  Rtlr.
von  den  genannten  Obligationen  anzunehmen,  allenfalls  gegen  Rückzahlung ­
  eines  Teiles  der  Provision.  In  dieser  Lage  verlor  Rothschild
nicht  die  Geduld,  das  kam  bei  ihm  nicht  vor.  Er  machte  aber  auf
diesen  Vorschlag  Anerbietungen,  die  nicht  annehmbar  erschienen.
Und  jetzt  bewilligte  der  Kurfürst  am  23.  April  wenigstens  den  ursprünglich ­
  vorgelegten  Zahlungsbefehl  von  100  000  Rtlrn.,  und  diese
Summe  wurde  unterm  10.  Juni  an  Lawätz  remittiert.  Unterm  21.  Mai
wurde  dann  auch  der  Rest  im  Betrag  von  290  000  Rtlrn.  angewiesen.
Das  letzte  dänische  Geschäft,  das  zwischen  dem  Kurfürsten
und  seinem  Oberhofagenten  sich  abwickelte,  kam  einige  Wochen
vor  der  französischen  Okkupation  zustande.  Am  1.  Januar  1809
hatte  Dänemark  einen  Kapitalrest  von  200  000  Rtlrn.  zu  entrichten,
der  bis  dahin  mit  4°/o  zu  verzinsen  war.  Rothschild  erbot  sich
am  20.  September  1806,  diese  Restzahlung  gleichsam  im  voraus
zu  bewirken  und  an  Stelle  jener  4prozentigen  Papiere  wiederum
4 1 /2prozentige  vom  dänischen  Finanzkollegium  ausgestellte  Originalobligationen ­
  alsbald  bei  der  Kriegskasse  einzulegen.  Dem  Kurfürst
war  die  Sache  recht.  Er  verlangte  aber  eine  Provision  von  5000  Rtlrn.
Die  Kriegsräte  Lennep  und  Buderus  legten  in  einem  Promemoria  dar,
daß  in  solchen  Fällen  gewöhnlich  1°/o,  höchstens  i 1 la°lo  der  betreffenden ­
  Summe  als  besondere  Vergütung  bezahlt  worden  seien,  was  im
vorliegenden  Fall  2000,  höchstens  3000  Rtlr.  ausmachen  würde.  Der
Kurfürst  aber  bestand  auf  der  Summe  von  5000  Rtlrn.,  und  Rothschild ­
  wußte,  was  er  wollte,  er  ging  darauf  ein.  Am  16.  Oktober
wurde  die  Rechnungslegitimation  vom  Kurfürsten  vollzogen.
In  den  Rothschildschen  Tilgungsbüchern  werden  nur  sieben
dänische  Anleihen  beziffert  und  aufgeführt.  Wenn  meine  Vermutung
über  die  vierte  Anleihe  richtig  ist,  so  bleibt  noch  ein  Posten  von
250  000  Rtlrn.  (1.  Juli  1803)  und  zwei  Posten  von  je  200  000  Rtlrn.
(31.  Dezember  1804  und  Oktober  1806)  übrig,  die  ganz  oder  teilweise ­
  in  dänischen  Obligationen  zurückgezahlt  wurden,  aber  nicht
als  dänische  Anleihen  gelten.  Im  ersten  Fall  kaufte  Rothschild  die
Obligationen  in  fertigem  Zustand,  denn  es  handelte  sich  um  Bethmännische
  Papiere.  Die  beiden  anderen  Fälle  aber  unterscheiden
sich  kaum  von  den  sog.  Anleihen.  Für  den  Betrag  vom  31.  Dezember ­
  1804  z.  B.  waren  die  Zinsen  bei  Rothschild  zu  erheben,  und
            
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