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des Ministeriums des Innern mögen sich nun einmal erkundigen, ob man
irgendwo rationcllerweise die strenge Scheidung in zwei Abteilungen geschaffen
hat oder schaffen kann. Den Verkehr mit Aerzten, Apothekern re. erledigt man
natürlich im Nebenamte am besten durch den leitenden Beamten. Die Auszahlung
der Unterstützungen erfolgt an einem, höchstens zwei Tagen in der Woche. Die
Ausfolgung der Behelfe ist überhaupt eine Sache von minimaler Bedeutung.
Wo soll für diese quantitativ belanglosen Agenden eine eigene Abteilung her
kommen ? Wollte man eine sehr gutmütige Kritik an der Regierungsvorlage üben,
so müßte man sagen, daß in ganz Oesterreich vielleicht zwei bis drei Institute
in Frage kommen, die in Zukunft eine solche Teilung vornehmen könnten. Diese
Zahl wird nicht größer werden, wenn die Zwcrggebilde unter den Krankenkassen
verschwinden.
Die Ausführungen der Regierungsvorlage über die Höhe der Vcrwaltungs-
kosten wie über die Durchführung der Verwaltung in den Bezirksstellen werden
also Wohl bei allen Unbefangenen verblüffend wirken. Man wird sich mit ge
steigertem Mißtrauen den oberflächlichen, ganz und gar nicht durchdachten
Organisationsvorschlägen des versichcrungstechnischen Departements gegenüberstellen
müssen. Ich selbst muß darauf beharren, daß nach dem gegenwärtigen Organisations
aufbau die Gefahr droht, daß die Kosten der Verwaltung der Sozialversicherung
bis zu 75 Millionen Kronen, also über ein Viertel aller Beiträge der Invaliden-,
Kranken- und Unfallversicherung verschlingen werden, wie ich dies im Detail in
meinem Buche „Die Sozialversicherung als OrganisationsProblem" nachzuweisen
versucht habe.
V. Die Ausschließung der Arbeiter von der Verwaltung
der Soxialverftcherung.
Warum die Arbeiter von der Verwaltung ausgeschlossen werden
sollen.
Neben der Zentralisation wirkt, wie ich zum Teile schon gezeigt habe,
die Ausschaltung der Arbeiterschaft von jedem maßgebenden Einfluß in den Ver-
sichcrungsinstituten auf die Sozialversicherung schwer schädigend. Diese Ausschaltung
soll nicht nur bei den Bezirksstellcn, den Unfallvcrsichcrungsanstalten und der
Invaliden- und Altcrsrentenkasse, sondern auch bei den Krankenkassen erfolgen.
Die Regierungsvorlage begnügt sich nicht damit, das ganze Meldewesen, die Vor
schreibung und Einhcbung der Prämien den Krankenkassen abzunehmen. Den zu
verlässigsten Trägern der Arbciterversicherung, den versicherten Arbeitern, beläßt
man nur scheinbar die Zweidrittelmajorität in den Krankenkassen. In Wirklich
keit soll der Proporz auch hier durchgreifenden Wandel schaffen und jene Schichten
zur Unterstützung der Unternehmer in den Vorstand bringen, deren sozialpolitische
Moral bisher Alles zu wünschen übrig läßt. Das muß jede Art von Mißbrauch
zur üppigsten Entfaltung bringen.
Indem wir nun auch hier den wirklichen Zusammenhang klarstellen, ent
hüllen wir den eigentlichen Anlaß des scincrzeitigcn Aufmarsches des versicherungs-
technischcn Departements gegen die Zweidrittclmajorität der Arbeiter in den
Krankenkassen. Den sozialpolitisch aktiven Unternehmcrschichtcn war es darum zu
tun, auf dem Gebiete des Meldcwcscns und der Beitragseinziehung „übermäßige
Strenge", beim Unterstützungswcscn „große Milde" auszuschließen. Man soll den
Bctricbsinhabcrn entgegenkommen, wenn sic die gesetzlichen Vorschriften nicht zu
genau erfüllen. Zur Kompensation soll man alle überschwenglichen sozialpolitischen
Ideen ausschalten und den Versicherten lediglich die Mindestleistungen gewähren.
Es ist klar, daß bei solchen Plänen mit der Gegnerschaft der Arbeiter zu rechnen
ist. Ihren Einfluß gilt cs also vor allem auf ein möglichst geringes Maß zu