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Technikern recht bittere Enttäuschungen bereitet. All das hat nicht verhindert,
daß unsere offiziellen Versicherungsmathematikcr von der notwendigen Bescheiden
heit weiter als je entfernt sind.
Alle Einwendungen, die gegen die Selbständigenversicherung, gegen die
Reichsrentenkasse, gegen, die Beseitigung einer ernsten Selbstverwaltung erhoben
wurden, blieben nach wie vor unbeachtet und werden mit einer hochmütigen Phrase
abgetan. Die Enttäuschungen werden nicht ausbleiben und leider nicht die Versicherungs-
Mathematiker, sondern die Interessenten der Arbeitcrversicherung schwer treffen.
Allerdings haben unsere offiziellen Versichcrungstechniker nicht den Mut,
überall an den inappellablen und grundlegenden Gesetzen ihrer Wissenschaft festzu
halten. Wenn sich Regierung und Parlament den Forderungen des versicheruugs-
tcchnischen Departements fast stets bescheiden gefügt haben, so haben sich die
Unternehmcrorganisationen, wenn ihr Interesse dies erforderte, keineswegs durch
die Gebote der Wissenschaft einschüchtern lassen. Unsere offizielle Versicherungs
technik hat dann jedesmal gezeigt, daß sie, wo es nötig ist, auch anders kann
und mit der Macht paktiert.
Es -ist kein fiktiver, sondern ein aus der Natur der Dinge fließender Grund
satz, daß bei der Versicherung, ohne Gefährdung der Sache, das Gesetz der großen
Zahl nicht unbeachtet bleiben darf. Das wußten die Versicherungsmathematiker,
als sie uns belehrten, daß die Bruderladen versagt haben, weil man die Inva
liden-, Witwen- und Waiseuversorgung Zwerggebildeu belassen hat. Der Druck
der Montanindustriellen hat aber bewirkt, daß die sogenannte „Reform" die
Zwergbruderladen unangetastet ließ. Die Regierungsvorlage selbst hat in Vor
schlag gebracht, daß auch Kassen von 100 und weniger Mitgliedern zur Durch
führung der Invalidenversicherung, der Witwen- und Waisenversorgung nach wie
vor zugelassen werden.
Die Unzulänglichkeit der kleinen Krankenkassen ist von dem vcrsichcrungs-
technischen Departement zugegeben worden. Der Wunsch der Unternehmer hat aber
genügt, daß die Wissenschaft jämmerlich im Stich gelassen wurde. Die Betriebs-
kasscn werden, auch wenn sie nicht mehr als 200 Mitglieder zählen, weiter bestehen.
Wie es mit dem Verhalten des versicherungstechnischen Departements zur
Frage der Kapitalsdeckung bei der Unfallversicherung bestellt ist, habe ich so oft
dargelegt und auch hier im Zusammenhange besprochen, daß cs genügt, darauf
nur zu verweisen. Ich konnte auch noch an früherer Stelle auf die heitere
Wandlung eingehen, welche die Auffassung der Regierungsmathematiker in der
Frage der individuellen Rcservcanteile durchgemacht hat.
Es ist ein öffentliches Geheimnis, daß die Versichcrungstechniker
ursprünglich die Selbständigenversicherung als undurchführbar abgelehnt haben.
Den demagogischen Bedürfnissen einer politischen Partei entsprechend haben
sic der Aufnahme dieses Vcrsicherungszweiges schließlich nicht nur Rechnung
getragen, sie verfechten sogar in der neuen Regierungsvorlage mit wahrem
Feuereifer die Notwendigkeit und Durchführbarkeit der Selbständigenversicherung.
Die Chancen der Sozialversicherung sind also heute, wie meine bisherigen
Darlegungen gezeigt haben, dank der offiziellen Versichcrungsmatemathik schlimm
genug; am meisten wird sie durch die Feindseligkeit der Regierung und ihrer
Organe gefährdet. Hier gibt cs nur ein Mittel der Abhilfe: Unser Parlament
muß sich von der unerträglichen Tyrannei der amtlichen Versicherungs-
Mathematiker, durch welche die gesamte Bevölkerung schwer bedroht wird, endlich
befreien. Man muß die Herren aus der Rolle von Gebietern zur natürlichen
Aufgabe von Beratern und Hilfskräften, des Parlamentes zurückführen. Nur so
kann verhindert werden, daß die Regierung bald durch passive Resistenz, bald
durch Häufung von unreifen und unausführbaren Projekten oder gar durch
Verschärfung von Jnteressengesätzen die Weiterentwicklung unserer Sozialversicherung