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schlossen ist, welch letzterer bei Bertragsverhandlungen als Grundlage gilt
und gegenüber allen Staaten, die mit uns keine Verträge abschließen, zur An
wendung gelangt. Die durch die Vielgestaltigkeit des Wirtschaftslebens not
wendigen Verfügungen werden in der Regel im Verordnungswege getroffen.
Das geltende Zolltarifgesetz vom 13. Februar 1906 hat Kraft für Österreich,
Ungarn, Bosnien und Herzegowina, sowie für die eventuell in Zollunion mit
der Monarchie sich verbindenden Länder; ausgenommen sind lediglich die soge
nannten Freigebiete und die Zollausschlüsse. Freigebiete waren bis 1891 die
Freihäfen von Triest und Fiume, bis 1880 die „freie Handelsstadt" Brody,
d. h. in diese Gebiete durften Waren ohne jede Zollbelastung eingeführt werden.
Zollausschlüsse betreffen kleinere Gebiete des Reiches, die infolge ihrer Lage
auf den Warenverkehr mit dem Auslande lebensnotwendig angewiesen sind.
So hat Österreich-Ungarn durch Staatsvertrag (zuletzt vom 2. Dezember 1890)
die Gemeinden Jungholz in Tirol und Mittelberg in Vorarlberg, welche durch
hohe Gebirge vom übrigen Tirol und Vorarlberg fast vollständig abgeschlossen
sind und wirtschaftlich mit Bayern zusammenhängen, dem Zoll- und Steuer
system des Deutschen Reiches (Bayern) angeschlossen.
Grundsätzlich ist bei der Einfuhr jede Ware zollpflichtig, die
Zollfreiheit muß ausdrücklich normiert fein 1 )- Die Waren durchfuhr ist
zollfrei. In der Ausfuhr sind alle Waren zollfrei mit Ausnahme der
Lumpen (Hadern) und anderen Abfälle zur Papierfabrikation, für welche ein
Ausfuhrzoll von K 9.60 pro 100 Kilogramm normiert ist. Wenn ein Staat
aus Österreich ankommende Schiffe oder Waren ungünstiger behandelt als die
anderer Staaten, hat die Regierung das Recht, mit R e t o r s i o n s z ö l l e n
vorzugehen, d. h. strafweise die Waren aus jenem uns feindseligen Staate
mit Zollzuschlägen bis zu 200 Perzent oder bis zur Höhe des vollen Handels
wertes zu belegen.
Sehr wichtig sind die Artikel III und VIII des Zolltarifgesetzes. Im Artikel III
werden Mindestzölle für Getreide festgesetzt, unter die bei Handels
verträgen nicht herunter gegangen werden darf, und zwar beträgt der Zoll
für Weizen per 100 Kilogramm K 6.30, Roggen K 5.80, Gerste K 2.80, Hafer
K 4.80 und Mais Li 2.80. Der Artikel VIII ermächtigt die Regierungen Oester
reichs und Ungarns, „im gegenseitigen Einverständnis die Z ö l l e für Ge
treide und Hülse nfrüchte im Falle schlechten Ausfalles
der heimischen Ernte oder einzelner Fruchtgattungen zeitweilig
an allen oder einzelnen Grenzen unter den gegen Mißbrauch schützenden Kon
trollen und Beschränkungen außer Kraft zu setzen oder zu er
mäßige n".
Sehr bedeutungsvoll für einen Großteil der Industrie ist der im Zoll
tarifgesetz vorgesehene Beredlungsverkehr. Artikel XIII bestimmt
nämlich, daß — mit Ausnahme von Getreide — für Rohstoffe, Halbfabrikate
und Jndustrieerzeugnisse, die im Inlands der Weiterbearbeitung (Veredlung)
0 Für Gegenstände, welche bei uns der Verzehrungssteuer unterliegen,
müssen im allgemeinen außer dem Zoll noch die inneren staatlichen und sonstigen öffent
lichen Verbrauchsabgaben entrichtet werden. (Zollzuschläge.)