Sozialdemokratische Staatssozialisten und —deutschnationale
Junker sind anläßlich dieser Transaktion in eine eigentümliche Ein-
heitsfront geraten. Den Angriffen des Handelskapitals und der
örivaten Großmühlen gegenüber, die von „kalter Sozialisierung‘ und
„Uebergriffen der öffentlichen Hand‘ reden, verteidigen beide den
Aufkauf des Scheuer-Konzerns durch die Rentenbankkreditanstalt
und‘ die Preußenkasse. Während aber die Sozialdemokraten den
Erwerb als einen Akt staatssozialistischer Planwirtschaft preisen,
weisen die Deutschnationalen genau das Gegenteil nach, So schrieb
die „Deutsche Tageszeitung‘ vom 26, 9:
„Wenn die Rentenbankkreditanstalt als freie landwirtschaftliche
Zentralbank ein Geschäft eingeht, so wird.man ihr kaum sozialistische
Tendenzen unterschieben können.‘
Interessant ist die Tatsache, daß auch das Düngemittel-
Kapital an dem Mühlentrust beteiligt ist und man den Arbeiter-
konsumvereinen den Vorschlag gemacht hat, 20 Prozent der Aktien
zu übernehmen. Das soll nach reformistischer Ansicht wohl eine
Sicherung gegen einseitige Preispolitik der Agrarkapitalisten sein.
In Wirklichkeit soll eine solche Beteiligung der GEG-Hamburg
die proletarischen Konsumvereine für den Getreide- und Mehl-
wucher der Großagrarier mit verantwortlich machen,
Daß tatsächlich der „Agrartrust“ das letzte Ziel ist, dem auch
diese Aktion dient, plaudert die „Deutsche Tageszeitung‘ in ihrem
Leitartikel vom 10. Juli offen aus. Die Scheuergruppe beherrschte
allein rund 60 Prozent der deutschen Einfuhr von Auslandsgetreide,
Der Plan der Scheuergruppe sei auf ein großes deutsches Mühlen-
kartell gerichtet gewesen, das nicht nur die Mehl-, sondern auch
die Getreidepreise, sowie die Einfuhr von Auslandsgetreide souverän
bestimmen sollte. Dieser Plan scheiterte zunächst an dem Wider-
Stand einiger westdeutschen Großmühlen, Scheuer gründete dann
den größten deutschen Mühlenkonzern, die Deutsche Mühlen-
Vereinigung A.-G, Seine Getreideindustrie- und Kommissions-
AG, (Scheuerkonzern) besitzt heute die Majorität der Aktien
dieser „Deutschen Mühlenvereinigung‘”, Die Deutsche Mühlenver-
einigung wiederum besizt die Aktienmehrheit einer großen Anzahl
Westdeutscher Mühlen, Die Tagesleistung der „Deutschen Mühlen-
Vereinigung“ ist ungefähr ebenso groß wie die Tagesleistung aller
übrigen deutschen Mühlenkonzerne zusammengenommen. Wer also
die Deutsche Mühlenvereinigung beherrscht, beherrscht auch den
deutschen Getreide- und Mehlmarkt.
® Diese beherrschende Stellung hat sich aber das Agrarkapital mit
ilfe der „halbamtlichen‘“ Banken gesichert. Die „Deutsche Tages-
Zeitung“ schreibt darüber in dem oben erwähnten Artikel:
„Ein solcher Konzern, dessen Ausdehnungsdrang unverkennbar ist,
muß "schließlich zu einer Marktbeherrschung führen, die für die
deutsche Landwirtschaft von der größten Bedeutung werden müßte,
„. Schon lange haben die großagrarischen Landbundführer das
Werden und Wachsen des Scheuerkonzerns beobachtet. Sie hatten