Object : Inflation und Geldentwertung

Geldwerterhöhung  oder  Geldentwertung?

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Maßnahmen  ist  die  Wiederingangsetzucg  der  volkswirtschaftlichen
Arbeit  eine  Notwendigkeit,  wenn  nicht  die  gewaltigen  Steuerlasten
zu  einer  neuen  Preissteigerung  Veranlassung  geben  oder  —  gar  nur
auf  dem  Papier  stehen  sollen.
V.  Geldwerterhöhung  oder  Geldentwertung?
Stabilisierung  des  Geldwertes?
Die  bisherigen  Erörterungen  sind  immer  von  der  Annahme
ausgegangen,  daß  die  Herabsetzung  der  Preise,  die  Beseitigung
der  Geldentwertung,  schlechthin  erwünscht  und  demgemäß  anerwirkt, ­
  daß  sofort  eine  umfassende  Verbilligung  der  Lebensmittel  in  die  Wege
geleitet  werden  solle.  Zu  diesem  Zweck  haben  das  Reich,  die  Einzelstaaten
und  die  Kommunen  zusammen  1,5  Milliarden  Mark  zur  Verfügung  gestellt,  die
dazu  dienen  sollen,  die  inländischen  Verkaufspreise  bestimmter  Waren,  insbesondere ­
  vom  Ausland  eingeführter  Waren,  zu  ermäßigen.
Diese  Form  der  Zuschußleistung  entspricht  nicht  dem  im  Text  gemachten
Vorschlag.  Nach  diesem  handelte  es  sich  um  Waren,  die  im  Ausland  auf  Kredit
gekauft  werden  sollten,  und  bei  denen  die  Zuschußleistungen  des  Reiches  nicht
sofort  in  die  Erscheinung  zu  treten,  d.  h.  die  Mittel  nicht  sofort  im  Inland
aufgebracht  zu  werden  brauchten.  Die  jetzt  zur  Durchführung  gelangte  Maßnahme ­
  macht  die  unmittelbare  Zahlung  an  die  inländischen  Warenbesitzer  oder
an  die  Besitzer  von  ausländischen  Zahlungsmitteln  erforderlich,  so  daß  tatsächlich
eine  sofortige  Aufbringung  der  1,5  Milliarden  Mark  in  Betracht  kommt.  Da
jedoch  diese  Summe  nicht  sogleich  auf  dem  Wege  der  Steuererhebung,  sondern
im  Anleihewege  (aus  bereitstehendem  Leihkapital)  beschafft  wird,  so  braucht
eine  unmittelbare  Belastung  der  Einzelwirtschaften  und  damit  eine  sofortige
Rückwirkung  auf  die  Preise  nicht  gerade  gegeben  zu  sein.  Außerdem  kommt  in
Betracht,  daß  eine  Erhöhung  der  Eisenbahnerlöhne  zweifellos  binnen  kürzester
Zeit  eine  neue  Preissteigerung  zur  Folge  gehabt  hätte,  die  durch  das  Vorgehen
der  Regierung  vermieden  worden  ist.  Und  endlich  hat  die  neue  Maßnahme  den
Vorteil,  daß  die  —  nicht  unerhebliche  —  Lebensmittelverbilligung  allen  Beyölkerungskreisen
  zugute  kommt,  bzw.  später  die  Kosten  der  Verbilligung,  bei
ihrer  Aufbringung  durch  die  Steuern,  auf  die  leistungsfähigen  Schultern,  ahgewftlzt
  Werden.
Das  Gefährliche  des  beschrittenen  Weges  ist  darin  zu  erblicken,  daß  wenu
nicht  innerhalb  der  kurzen  Frist,  für  welche  der  Zuschuß  von  1,5  Milliarden
Mark  berechnet  ist,  nämlich  innerhalb  der  nächsten  3  Monate  eine  Besserung
der  Marktlage  für  die  einzelnen  Waren  erfolgt  ist,  daß  dann  weitere  Zuschußleistungen ­
  nötig  werden,  die  entweder  die  Ordnung  der  Finanzen  immer  wieder
hinausschieben,  oder  über  die  ausgeschriebenen  Steuern  wohl  oder  übel  den
Haushalt  der  Steuerzahler  belasten  müssen  und  den  Anstoß  zu  Lohnsteigerungen
geben  können.  Bei  dem  im  Text  vorgeschlagenen  Ankauf  auf  Grund  langfristiger ­
  Anleihen  im  Ausland  würden  die  Rückzahlungen  entsprechend  der
Amortisationsquoten  auf  größere  Zeiträume  verteilt  werden.  Darin  liegt  der
entscheidende  Vorteil  gegenüber  dem  jetzt  eingeschlagenen  Verfahren.  Allerdings
ist  ein  Haupterfordernis  des  obigen  Vorschlages,  daß  ein  großangelegter  Einkauf
ausländischer  Waren  gegen  langfristige  Anleihen  überhaupt  möglich  ist  .  .  .
            
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