Steuerpolitische Maßnahmen.
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5. So ist im Augenblick, d. h. unter den nach der politischen
Umwälzung eingetretenen Verhältnissen, selbst von den auf die
Verminderung der Kaufkraft hinzielenden steuerpolitischen Maß
nahmen keine durchgreifende Ermäßigung der Preise, keine allge
meine Herabsetzung der hohen Preise zu erwarten 1 ). Die Sen
kung der Preise kann daher im gegenwärtigen Augen
blick nur von der Warenseite her erfolgen. Die Ver
mehrung der umsatzfähigen Güter, in erster Linie der Lebens
mittel, muß den Anstoß zur Abwärtsbewegung der Preise geben.
Billigere Lebensmittel, überhaupt geringere Ausgaben für die
Lebenshaltung, Aufhören der Lohnsteigerungen, Herabsetzung der
besonders hohen Löhne, vermehrte Gütererzeugung, größeres
Angebot von Waren: das ist allein der Weg, der zu einem Abbau
der Preise führt. Der circulus vitiosus, der darin liegt, daß die
Herabsetzung der Lebensmittelpreise eine Herabsetzung der Löhne
und diese wieder eine Herabsetzung der Lebensmittelpreise zur Vor
aussetzung hat, kann dadurch umgangen werden, daß die aus
dem Ausland bezogenen Lebensmittel zu niedrigen Preisen im
Inland abgegeben werden 2 ). Ob und wie die Einfuhr von Waren
zu steigern ist, hängt allerdings nicht nur von unserem guten
Willen ab, sondern auch von der Bereitwilligkeit der Entente, der
Erhältlichkeit von Krediten und der Ausfuhr von deutschen Waren
nach dem Ausland. Inwieweit diese Voraussetzungen vorhanden
sind oder in nächster Zeit geschaffen werden können, kann hier
nicht erörtert werden. Nur daß die Einfuhr von Lebensmitteln
6.
und Rohstoffen gesteigert werden muß, wenn wir von den hohen
Preisen herunterkommen wollen: das ist in diesem Zusammenhang
mit allem Nachdruck hervorzuheben. Die Vermehrung der Lebens
mittelmenge kann allein die über Gebühr hochgetriebenen Schleich
handelspreise zum Rückgang bringen. Nur von hier aus kann der
V
zuzulassen. Endlich muß—wie dies im Text betont worden ist — Vorsorge getroffen
werden, daß diejenigen, die Kapital zu volkswirtschaftlich dringenden Zwecken
benötigen, dieses durch Bereitstellen besonderer Krediteinrichtungen erhalten.
!) Mit dieser Feststellung stehen die Äußerungen des Reichsfinanzministern
Schiffer, nach denen die starken Vermögenssteuern eine Senkung der Preise
zur Folge haben sollen, in gewissem Widerspruch. Er dürfte sich daraus er
klären, daß damals die Bedeutung der Löhne für die Preise noch nicht so stark
in den Vordergrund getreten war.
2 ). Dasselbe betont in eindringlicher Weise Prof. Dr. W. Zimmermann in
einem Aufsatz: Arbeitslosigkeit, Lohnbeihilfen oder Preisabbau in der Frank
furter Zeitung vom 29. April 1919.