Full text: Organisation

I. Die Grundurteile der Politik. 
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nicht, etwas kaufen oder nicht, ein Buch lesen oder nicht 
usw. Dabei denkt man sich frei von jeder Rücksicht auf 
Andere, von jeder Beeinflussung, von jeder Art von 
Regel, Gesetz und Zwang. Hier fingiert das Ich einen 
Zustand, als sei es allein in der Welt, denn schon die 
Existenz eines zweiten Menschen im selben Raume 
beschränkt diese völlige Willkür. Politisch kann dieser 
Freiheitsbegriff im Grunde nie genannt werden, da 
Politik die Beziehungen vieler Menschen zueinander 
behandelt. Aber bei den einzelnen Freiheiten (Glau 
bens-, Gewissens-, Denk-, Lehrfreiheit, Freizügig 
keit, Gewerbefreiheil usw.) spielt diese Seite der Sache 
sicher eine große Rolle. Alle diese Begriffe betreffen 
zwar tatsächlich eine Abgrenzung von Rechten und 
Pflichten, keiner davon gilt völlig uneingeschränkt, 
überall erstrebt man praktisch nur eine möglichst große 
Freiheit. Aber die allgemeine Freude an dem Wort 
(z. B. in der Dichtung) wäre nicht so groß und unge 
trübt, wenn man sich diese Relativität stets vergegen 
wärtigte und nicht wenigstens die Fiktion völliger Un 
abhängigkeit dabei aufrecht erhielte. 
Organisation nun schließt Willkür unbedingt aus 
und damit die zweite Form der Freiheit; dagegen ver 
langt sie sehr viel Betätigung und Willen nicht nur vom 
Organisator, sondern auch von den Teilnehmern. 
Einfacher mechanischer Gehorsam führt nie zu lebens 
vollen Organisationen, so wenig als man Leute dazu 
brauchen kann, die tun wollen, was sie mögen. Über 
einen Zweck, ein Ziel im großen oder eine Ausgabe 
muß man sich eben einig sein, ehe man organisiert; 
man kann dies nicht ins Blaue hinein, sondern mit 
bestimmter Marschroute. Innerhalb einer Aufgabe oder
	        
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