Full text: Organisation

I. Die Grundurteile der Politik. 25 
treten int Kriege leuchtend hervor und Kamerad in 
diesem besonderen Sinne ist jeder, der an der großen 
Arbeit mitgeholfen, der Organisation als tätiges Glied 
angehört hat. Auch hierzu gehört eine gewisse Frei- 
heit in der ersteren der erwähnten Bedeutungen; der 
nur gezwungen Mitlaufende wird nicht als Kamerad 
geachtet, dagegen der Wille zur Aufgabe auch im Ein 
fachsten und Niedrigsten anerkannt. 
Einfacher als zu den bisher behandelten Schlag 
worten stellt sich die Beziehung unseres Begriffes zu 
den philosophischen Denkrichtungen, die häufig auch in 
politischen Streiten sich ausprägen. So ist Organisa 
tion ziemlich indifferent gegenüber den sonst sehr 
wichtigen Gegensätzen: Empirismus (Historismus) 
und Rationalismus (Doktrinarismus). Gewiß ist jede 
Organisation ein Produkt menschlicher Vernunft und 
hat als solche etwas rationales; aber damit verbindet 
sich hier notwendig eine Denkart, die die Ziele dafür 
der Erfahrung und der Geschichte entnimmt. Für die 
Prinzipien des Universalismus und Individualis 
mus bildet unser Begriff sogar eine Synthese, in der 
beide zu ihrem Rechte kommen, allerdings mit einem 
gewissen Vorrang des Universalen. England, das 
klassische Land des Individualismus, widerstrebt da 
durch reicher Organisation; der Einzelne hat zu sehr 
das Ideal seines persönlichen Glückes und ungebun 
denen Lebens vor Augen, als daß er gern und leicht 
die Opfer brächte, die jede Organisation immerhin 
erfordert. Wo aber England im Krieg durch glückliche 
Organisation überrascht hat, ist es das deutsche vetter- 
liche Blut, das triumphiert — und die Nachahmung 
unserer Vorbilder. Das Wort Sozial ist so vieldeutig,
	        
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