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III. Das Führerproblem.
schüft aber erscheint hier als spezielle Befehlskunst.
Dennoch gibt es kein besseres Muster: schon im Frieden
beginnt man sofort unter den neuen Mannschaften
nach künftigen Unteroffizieren, Offizieren, Reserve
offizieren zu suchen und die „Qualifikation" bedeutet
im wesentlichen: „Eignung zu einem Führeramt".
Nirgends gehört eben so sehr zum System des Ganzen
das Doppelte, sich Ergänzende: Disziplin und Führung,
Gehorsam und Autorität, Masse und Selbständigkeit.
Im Krieg aber ist der Ausgleich dieser scheinbaren
Gegensätze noch viel deutlicher, da rächt es sich auch
stark, falls man im Frieden die richtige Aufzucht von
Führern versäumt haben sollte und dem Einzelnen wird
noch reichere Gelegenheit zu persönlicher Auszeichnung
und „Qualifikation".
Hier hat auch historisch eine bestimmte Tradition ihre
Bedeutung, nämlich der Adel; es war der preußische
Junker, der den Typus des militärischen Führers
schuf, in Generationen Pflegte, erhielt und vererbte.
Von ihm hat es der bürgerliche Offizier gelernt, zu
führen, und inacht es heute ebenso gut; auch dem
Unteroffizier ist jener das Vorbild gewesen und der
„preußische Leutnant, den uns keiner nachmacht", trägt
adelige Züge, auch wenn sein Träger Müller heißt.
Mag man also auch für wissenschaftliche und künstlerische
Leitung direkt da nichts gewinnen, für das Problem
der Führerschaft überhaupt ist das militärische System
einzig in seiner Art und hat sich so ausgebildet eben im
Hinblick auf den Krieg, wo man Führer dringend nötig
braucht, während man im Zivil auch ohne solche zur
Not „fortwursteln" kann. Würde das Prinzip des
Aristagein durchdringen und zum allgemeinen Bewußt