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IV. Staatliche imD private Organisation.
eigene, Arbeit stets vom moralischen Standpunkt aus
angegriffen, von dem ich erst nachher reden will. Es
ist aber vor allem zu betonen, daß eine solche Art von
Vermehrung auch tatsächlich, empirisch, historisch nie
ohne Gemeinde und Staat erfolgt ist, noch jemals er
folgen kann. Diese Art ist nicht nur auf der Insel
Robinsons unmöglich, sie fordert nicht nur den Schutz
durch den Staat, obwohl sie dessen in erhöhtem Maße
bedarf und hier auch jede Fiktion wegfällt, als könne
der Einzelne sich dabei selbst schützen; nein, sie hängt
in jeder Weise untrennbar mit dem Staate zusammen.
Die kapitalistische Vermehrungsform ist weder denkbar
noch möglich, wenn sich der Eigentümer nicht auf eine
Fortdauer bestimmter Kulturzustände, das Blühen von
Industrie und Handel, das Gedeihen der ganzen Volks
wirtschaft verlassen kann und der Staat muß hierfür
in ganz anderer und tiefgreifender Weise Garantien
bieten, als bei dem Schutz der Arbeit.
Beweis wiederum der Krieg. Man denke sich zunächst
einmal den Einzelnen im Gegensatz zu Gemeinde
und Staat, also etwa einen völlig egoistischen Geiz
hals, der dem Krieg entfliehen will. Seine private
„Habe" kann er eventuell mitschleppen, feine Kostbar
keiten, Möbel, sein Bargeld; etwa in ein neutrales
Nachbarland. Aber seine Wertpapiere, Aktien usw.
helfen ihm gar nichts, außer solche des neutralen Lan
des, dessen Wirtschaft einigermaßen unberührt bleibt.
Ein völlig besiegtes Land (wieder etwa Serbien) ge
währt im Moment gar keinen Schutz und die kapitalisti-
sche Vermehrung, ja auch schon der Wert des so früher
Erworbenen, ist zunächst völlig aufgehoben. Aber
auch schon in Ostpreußen konnte man zur Zeit des