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H. Buch. Der Güteraustausch.
eine Art Versicherung gegen das Steigen resp. das Fallen der Preise aufzufassen
und nicht minder für die Käufer als für die Verkäufer von Vortheil.
In den Ländern des Orients wird, wie bekannt, eine unglaubliche Menge
Zeit mit Handeln und Feilschen verloren. So wird in den Bazaren von
Tunis bei theuren Sachen etwa das Vierfache der Summe gefordert, um
welche sie endlich hergegeben werden. Man kann sich also vorstellen, wie
viele Zeit mit dem Vorschlagen immer geringerer Preise, mit den Einwen
dungen gegen die Forderungen, mit Betheuernngen, daß man den Gegen
stand nicht billiger lassen könne, u. dgl. verloren geht. Auch in den Provincial-
städten der Vereinigten Staaten von Amerika begehrt der Verkäufer in der
Regel 250/0 mehr, als er wirklich zu erhalten hofft, und spielt sich infolge
dessen um den definitiven Preis ein förmlicher Kampf ab, der bezeichnend
jewing down* (wörtlich übersetzt ,niederjuden*) genannt wird.
Es kommt häufig vor, daß sich bei Auctionen nur ein einziger Käufer ein
findet, daß aber der erzielte Preis nichtsdestoweniger ein Marktpreis ist, weil
viele ähnliche Gegenstände in nicht weiter Entfernung vom Verkaufsorte ^
Markte gebracht werden. Auch pflegt in den Fällen, in welchen sich der
Käufer nur einem Verkäufer gegenüber sieht, diesem letztern der Umstand z»m
Nachtheile zu gereichen, daß der Kauflustige vermuthet, daß er unter den
gegebenen Umständen zu verkaufen wünscht. Ferner macht es, wenn die höchst
Summe, welche der Käufer allenfalls zu zahlen sich entschlossen hat, weit höh^
ist als der Preis, unter welchem der Verkäufer die Sache durchaus nicht hcr'
geben will, einen sehr bedeutenden Unterschied, welcher von beiden mit seinem
Vorschlage zuerst herausrückt. Auch können sich bei öffentlichen Feilbietungen
infolge der Aufregung des zwischen den Bietenden sich entwickelnden Wett-
streites die Preise höher stellen als bei andern Verkäufen. Viele Leute, dit
nicht Kaufleute oder Händler von Profession sind, besitzen keine vollkommen
klare Vorstellung davon, welchen Werth ein Gegenstand für sie hat, und lassen
sich durch äußere Einwirkungen zu unüberlegten Entschlüssen hinreißen.
Uebrigens ist die Anwendung einer gewissen auf den eigenen Vorths
gerichteten Geschicklichkeit beim Abschlüsse von Kaufgeschäften gewiß erlaubt-
Dieselbe darf aber nie an Betrug oder Erpressung streifen. Solche schmäh
lichen Praktiken kommen indessen nur zu häufig vor und führen zu den
vielfach anzutreffenden übertrieben hohen Detailpreisen.
Es ist sicherlich ganz gerechtfertigt, daß die letztern höher sind als die
Engrospreise. Die Vertheilung größerer Mengen voll Gütern in kleine Ouam
titäten, das Vorräthighalten verschiedenartiger Waren und der Einzelverkauf veru^
sachen bedeutenden Zeitverlust, viel Mühe und erfordern beträchtlichen Kapitalansi
wand. Das alles rechtfertigt aber llicht die so häufig ganz übertriebene Differed
zwischen den Engros- und den Detailpreisen. Ein Grund eines solchen Unte^