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c) Schließlich kann man jeden Arbeitsprozeß in seine Elemente
zerlegen und für jedes Arbeitselement einen Akkordlohn festsetzeni
(Elementenberechnung) 1 ). Diese Methode ist die modernste.
W. Taylor 2 ), Fabrikleiter in Germantown bei Philadelphia, hat
sie zuerst in Anwendung gebracht. Er gibt zur Erläuterung folgendes
Beispiel: Es soll ein Stück Eisen gehobelt werden. Die Arbeit ist
folgende:
a) Ohne Maschine auszuführen: 1. Das Arbeitsstück ist auf
den Maschinentisch zu heben, 2. zu richten und 3. auf den Maschinen
tisch zu befestigen, dann 4. los zu machen, 5. zu entfernen und
6. zu reinigen, ß) Mit der Maschine zu bearbeiten: flach mit dem
Stahl (Schrubber) bearbeiten, dann mit dem Schlichtstahl nachhobeln.
Die Anfertigung eines Rahmens für die Kupferdrahtwickelung
eines elektrischen Meßapparates erfordert 27 Arbeitselemente. Jedes
Element wird für sich unter Zugrundelegung eines Durchschnitts-
lohnes berechnet. Eine so weit gehende Zerlegung der Lohnauf
wendungen wird nur für die Hauptarbeit zu empfehlen sein.
Beispiele der Elementenkalkulation einer Fabrik für
Meßinstrumente.
I. Rahmen für ein Voltmeter.
Rohrstück absägen 0,3 Pfg.
„ entgraten 0,3 ,
„ abdrehen 2,0 ,
„. vierkantig dornen 3,0 „
„ Kanten nmbiegen 5,0 „
Rahmen zwei Löcher in die Vorrrichtung bohren 0,5 „
„ „ „ aufbohren und entgraten 0,5 „
„ die umgebogeDen Kanten auf Höhe abschneiden 3,0 „
„ egalisieren, Kanten verrunden 9,0 „
„ innere Kanten verrunden 2,0 „
„ beizen 0,5 „
Rahmen zwei Warzen einnieten 3,0 „
„ „ Löcher einbohren 2,0 „
Achse mit zwei Spitzen härten 1,0 „
Spitzen schleifen und polieren 6,0 „
Übertrag 38,1 Pfg.
1 ) Zur Erzeugung von Schuhwaren sind bis 160 Einzelarbeiten erforderlich.
Die Lohntabelle einer Schuhwarenfabrik enthält über 1000 Positionen. In einer
süddeutschen Konfektionsfabrik werden über 20000 Akkordsätze geführt.
2 ) Wegen des sog. Taylor-Systems vgl. die Betriebsleitung insbesondere
der Werkstätten; von Wallichs, 3. Aufl., Berlin 1915. Dodge, Industrielle
Betriebsführung; Schlesinger, Betriebsführung und Betriebswissenschaft, beide
Berlin 1913. Zeitstudien, bureaumäßige Festlegung und Normalisierung der Tätigkeit
der Arbeitsvorgänge, — „Griffe“ anlernen — sind, abgesehen von den üblen
persönlichen und sozialen Folgeerscheinungen, nur bei gleichmäßig wiederholten
Arbeitsvorgängen an bestimmten Arbeitsstücken anwendbar, nicht aber bei stark
wechselnden Arbeiten.