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dingimg des harmonischen Verkehrs und noch überdies ein
Zeichen der fortgeschrittenen Entwicklung. Man sieht hieraus,
dass man sein^System jedenfalls nicht anklagen kann, mercan-
tilistisch gegen die Interessen der Landwirthschaft verstossen
zu wollen. Im Gegentheil hat bisher keine der bedeutenden
nationalökonomischen Doctrinen des 19. Jahrhunderts dem Acker
bau eine so glänzende Zukunft in Aussicht gestellt und ihm
in der Gegenwart so viele theoretische Zugeständnisse gemacht,
als der Anschauungskreis des Amerikanischen Nationalökonomen.
Die ganze Decentralisationsidee zielt schliesslich auf die Unter
mischung der Landwirthschaft mit der Industrie ab.
10. In der Handelspolitik beschränkt sich Carey nicht blos
auf den Manufacturschutz, indem er keineswegs wie Friedrich
List den Ackerbauschutz ausnimmt und die Aufhebung der
Englischen Kornzölle durchaus nicht als eine wohlthätige
Maassregel ansieht. Zu neuen Gründen für das Protections
system werden unter seiner Behandlungsart des Gegenstandes
alle ihm eigenthümlichen Ideen, von der Werththeorie an bis
zum Gesetze des Bodenanbaus und der Bodenerschöpfung.
Alles was nach seinen Principien darauf hinwirkt, die Wider
stände zu brechen, die sich der leichtern Production entgegen
stellen, gilt ihm auch als Empfehlung des Zollschutzes. Nament
lich ist es aber die Entbehrlichkeit der weiten Transporte
was für die exclusiv nationale und staatliche Vergesellschaftung
der Wirthschaftskräfto sprechen muss. Friedrich List hatte
sich mehr auf einen politischen Grund, nämlich auf den Kriegs,
zustand der Staaten berufen. Carey stützt sich auf ein Argu
ment, welches man auch innerhalb desselben Staates und
allenfalls für einzelne Provinzen anwenden könnte. Dennoch
beweist es nicht in jeder Beziehung zuviel, sondern zeigt
nur dem Kritiker, dass die organisatorische Constitution der
Wirth Schaft, durch welche die örtliche Lebendigkeit des
Schaifons ermöglicht werden soll, nicht in der Ziehung von
Zolllinicn, sondern in socialitären Einrichtungen zu suchen ist.
Ein bei den Amerikanischen Protectionisten üblicher Grund
für das Schutzsystem, nämlich die Erhaltung des Niveaus der
einheimischen Arbeitslöhne gegen die Coiicurrenz der Erzeug
nisse niedriger bezahlter Englischer und Europäischer Pauper
arbeit, findet sich zwar nicht ausdrücklich als Bcstandtheil des
Careyschen Systems, entspricht demselben aber weit besser
Da bring, Geschichte der Nationalökonomie. 2. Auflage. 27