Full text : Lebenserinnerungen

Hände  vieler  Krieger  kam  (es  wurden  im  Kriege  nicht  weniger  als
zoooo  Exemplare  abgesetzt);  1917  veröffentlichte  ich  eine  Schrift
über  die  „geistigen  Forderungen  der  gegenwart",  die  rasch  drei
Quflagen  erlebte,  weiter  sind  verschiedene  Teldpostausgaben  aus
meinen  „gesammelten  Quffätzen"  in  mehreren  lluflagen  erschienen;
auch  habe  ich  zu  den  im  Verlage  von  Hirzel  erschienenen  „Neutralen
Stimmen"  (1916)  eine  grasiere  Einleitung  geschrieben,  in  der  ich
die  Bedeutung  dieser  „Weutralen  Stimmen"  erörterte  und  mich  über
die  damaligen  Neutralen  aussprach*.
So  sehr  ich  aber  das  gute  (stecht  meines  Volkes  verteidigte,  so
entschieden  habe  ich  es  mißbilligt,  die  geistigen  Leistungen  unserer
gegner  zu  schmähen  und  zu  erniedrigen.  Während  des  Krieges
habe  ich  in  meinen  philosophischen  Übungen  sowohl  die  Bedeutung
der  französischen  Philosophie  als  die  der  englischen  in  ihren  Hauptwerken ­
  zusammenhängend  behandelt;  keiner  der  Teilnehmer  hat
davon  etwas  gemerkt,  dasi  wir  politisch  in  einem  harten  Kampfe  mit
fenen  Völkern  standen.
Endlich  habe  ich  inmitten  der  llufregungen  des  Krieges  mein
systematisches  Hauptwerk  „Wenfch  und  Welt"  zum  Qbfchlusi  gebracht, ­
  auch  verschiedene  neue  lluflagen  meinerBücher  herausgegeben.

*  Qis  dauernd  beachtenswert  erscheint  mir  die  Llbhandlung  von  Dr  Edwin
3  Llapp,  Professor  der  Nationalökonomie  an  der  Universität  New  York
(nach  dem  NXanuskript  übersetzt  von  Nt.  3k!e).  Lie  ist  Ende  Qpril  1916  geschrieben, ­
  also  noch  vor  Sem  Llusbruch  des  Krieges  mit  Llmerika.  Leite  32  heigt
es  dort:  „Die  meisten  unter  uns  hierzulande  betrachten  diesen  Krieg  als  einen
Wirtschaftskrieg,  sowohl  seinen  Ursachen  als  auch  feiner  Rührung  nach.  lkür  uns
ist  der  Krieg  ein  solcher  zwischen  England  und  Deutschland.  NXag  seine  unmittelbare ­
  Ursache  gewesen  sein,  welche  sie  will  .  .  .  .,  hierzulande  herrscht  allgemein ­
  das  gefühl,  dag  ein  Krieg  zwischen  England  und  Deutschland  im  Natschlust
  der  göltet  stand".
Seite  48:  „Der  Zweck  der  englischen  NIasinahmen  war,  Deutschland  auszuhungern". ­

Leite  49  heisit  es  inbezug  auf  die  p.  Lt.:  „Wir  unternahmen  niemals  irgendwelche ­
  ernsten  Schritte  zur  Durchführung  der  heiligen  Pflicht,  die  Nechte  der
vereinigten  Ltaatcn  und  ihrer  Bürger  zu  wahren,  wenn  England  diese  Nechte
verletzte".
Leite  53:  „Wir  bestehen  streng  auf  dem  Buchstaben  des  gefetzes,  wenn  es  sich
um  unser  Nechl  handelt,  Nlunition  an  die  Exilierten  zu  verschiffen,  über  wir  bestehen ­
  weder  auf  dem  Buchstaben  noch  aus  dem  geiste  des  gesetzes,  wenn  es  sich
darum  handelt,  Nahrung  an  die  friedlichen  Bewohner  zu  verschiffen".
Leite  53:  „Offensichtlich  stehen  sowohl  unser  Volk  wie  unsere  Negierung  auf
seiten  der  Lllliierten".
Leite  54:  „Zunächst  ist  es  unzweifelhaft,  dast  der  amerikanische  Botschafter,
Herr  Page,  die  Wahrheit  sagte,  als  er  vor  einigen  Zähren  in  London  äusierte
Llmerika  werde  englisch  geleitet  und  englisch  regiert"
            
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