Full text : Lebenserinnerungen

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sozialistischen  Bewegung  dem  ganzen  des  Lebens  einzufügen
und  ihn  zu  assimilieren,  oder  ob  unsere  Kultur  einer  Lluflösung
entgegengeht.  Es  wäre  ja  möglich,  dast  erst  eine  krasse  Verneinung
alles  selbständigen  Innenlebens  erforderlich  wäre,  um  der  Menschheit ­
  durch  einen  indirekten  Beweis  die  Unentbehrlichkeit  desselben  nachdrücklich ­
  zum  Bewusttsein  zu  bringen  und  dadurch  dem  gemeinsamen ­
  Leben  wieder  zu  dem  Wahrheitsgehalt  zu  verhelfen,  den
wir  heute  schmerzlich  vermissen.
Lo  stehen  wir  vor  einer  schweren  Llufgabe.  Line  glückliche
Lösung  jener  Verwicklung  ist  nur  möglich,  wenn  es  gelingt,  die
beiden  grasten  Zeitprobleme  aneinander  zu  bringen.  Ls  gilt,  das
geistesproblem  und  das  Menschenproblem  miteinander  zu  verbinden ­
  und  in  eine  fruchtbare  Wechselwirkung  zu  setzen;  das
geistesproblem  must  dabei  voranstehen,  aber  auch  der  Mensch
fordert  sein  gutes  Necht;  ob  eine  Verständigung  beider  Bewegungen ­
  gefunden  wird,  das  entscheidet  über  das  Schicksal  der
nächsten  Zeiten.  Vas  verlangt  aber  sowohl  ursprüngliche,  ja  graste
Menschen  als  aufhellende  und  erhöhende  geistesmächte;  beides
zusammen  bedarf  Unes  Wirkens  der  überlegenen  Lebensmacht,
die  unser  Leben  und  Wirken  bedingt  und  trägt.
Diese  Nöte  und  Wirren  treffen  namentlich  hart  das  deutsche
Volk  mit  seinem  reichen  Kulkurbesitz,  aber  seiner  gegenwärtigen
politischen  und  wirtschaftlichen  Zerrüttung.
BedenklicheLchwächen  der  deutschen  Ürt  sind  unverkennbar.  Wir
Deutsche  sind  mehr  Intelligenzmenschen  als  Willensmenschen,  wir
stellen  uns  zu  sehr  auf  den  freischwebenden  verstand,  wir  finden
uns  sehr  schwer  und  nur  in  schlimmster  Not  zur  Bildung  eines
gemeinsamen  Willens.  Werner  entbehren  wir  eines  festen  nationalen ­
  und  politischen  Instinkts,  wie  ihn  manche  andere  Völker  besitzen. ­
  Über  unterschätzen  wir  auch  das  graste  nicht,  was  in  uns
liegt  und  was  die  geschichte  bezeugt!  Nirgends  erscheint  eine
so  graste  Ursprünglichkeit  des  geistigen  Schaffens,  ein  solches  Vordringen ­
  zu  den  letzten  Wesenstiefen,  ein  solches  Wirken  aus  dem
ganzen  und  Innern  des  Lebens;  zugleich  dürfen  wir  unsere
Leistung  in  Wissenschaft,  Kunst  und  Technik  den  Leistungen  aller
anderen  Völker  zur  Leite  stellen;  auch  in  den  schließlich  so  traurigen ­
  Kriegsjahren  hat  das  deutsche  Volk  eine  hervorragende
Kraft  und  gesinnung  erwiesen.  Lin  solches  Volk  hat  sich  noch
nicht  überlebt;  es  mag  gegenwärtig  krank  sein,  aber  wir  dürfen
darauf  vertrauen,  dast  es  wieder  gesunde;  das  ihm  innewohnende
Vermögen  einer  Lebenserweiterung  und  Lebensvertiefung  ist  dem
ganzen  der  Menschheit  unentbehrlich.
            
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