Full text: Lebenserinnerungen

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hat Hchleiden sich mir gegenüber sehr anerkennend über die 
Ienaischen Ltudenten ausgesprochen. 5ie haben von alters her 
viel 5inn für Humor, und es kann gelegentlich die fröhliche Stim 
mung die grenzen überschreiten, aber im Kern war und isi diese 
Htudentenschaft tüchtig, arbeitsam und anhänglich gegen die 
Lehrer. Ich habe in der langen Zeit nieines Wirkens nie 
irgendwelche Lchwierigkeiten oder Unannehmlichkeiten in dieser 
Kichtung gehabt. Wohl aber haben die Hkudenten bei mannig 
fachen gelegenheiten durch Tackelzüge, Wagenauffahrten usw. 
mich geehrt. Lin Vorteil für die Universität war es, dast Jena 
trotz seines bescheidenen äusieren Umfanges durchaus nicht eine 
provinzial-Universität war; von den verschiedenen gegenden 
Deutschlands kamen die ötuöenten hierher, auch an Llusländern 
verschiedener Zungen fehlte es nicht; das war auch für die Dozenten 
ein Vorteil, dast ihre Ideen sich nach allen Dichtungen hin 
verbreiten konnten. Dem inneren Bau des deutschen Lebens aber 
war es günstig, dast Norddeutsche und Thüringer sich eng ver 
banden und sich gegenseitig ergänzten. 
Jena ist nicht zu erwähnen ohne auch Weimars zu gedenken. 
Treilich ist die Zeit schon lange vorüber, wo unter der Herrschaft 
der Literatur „Weimar und Jena eine groste 5tadt" bildeten; im 
Tortgang des 19. Jahrhunderts bestand wenig geistiger Verkehr 
zwischen zenen beiden Htäöten; Wissenschaft und Kunst gingen ihre 
eigenen Wege. Ls war im gründe nur der Hof mit seinen Lin- 
ladungen, der die Professoren nach Weimar führte. Diese Lin- 
ladungen waren liebenswürdig gehalten, aber sie ergaben kein 
inneres Verhältnis der Lebenskreise. Nur der grostherzog Larl 
Vlesander pstegte bei seinem Aufenthalt in Jena einen kleinen Kreis 
vongelehrten einzuladen; dann wurden die schwersten und heikelsten 
Tragen mit voller Offenheit behandelt; der Türst hatte offenbar 
eine aufrichtige Treude daran, in dieser Weise über die laufenden 
Tragen orientiert zu werden. In Weimar war der Ton steifer, 
aber die Unterhaltung war nicht unbedeutend. Die Beziehungen 
zu den anderen Höfen, die an der Universität teilnahmen, be 
schränkten sich auf gröstere Tamilienfeste, aber auch hier war er 
sichtlich, dast man auf die Teilnahme der gelehrten Wert legte. 
Oie Universität wurde stets nicht als ein 5tück des Verwaltungs 
organismus, sondern als eine selbständige Korporation be 
handelt. 
Übrigens war das Verhältnis des weimarischen Hofes zu Jena 
früher intimer als später, wo die goethebestrebungen voranstanden; 
man konnte nun die vermischen gelehrten leichter entbehren; diese 
aber hatten mehr Interesse an dem grosten deutschen Leben als an 
den Verhältnissen des weimarischen Kleinstaates.
	        
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