Full text: Lebenserinnerungen

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Weiterer Ausbau. 
eine wissenschaftliche Arbeit musste sich nun darauf richten, 
(F A ^die gewonnenen grundlagen näher auszubauen; dies 
sollte zunächst in einem Buch „OerKampfum einen geistigen Lebens 
inhalt" geschehen. Ich empfand, über die Religion hinaus, stark 
die Unwahrhaftigkeit des gegenwärtigen Lebens, das den Schein 
einer geisiigkeit trug, in Wahrheit aber an erster Stelle von mate 
riellen Zielen beherrscht wurde. Oie von mir dargebotenen Unter 
suchungen mustten dem konventionellen und offiziellen Idealismus 
schroff widersprechen, denn sie behandelten viel zu sehr die Probleme 
als im Tlust, und sie verlangten viel zu eingreifende Umwand 
lungen, um denjenigen zu gefallen, denen alles fest und fertig 
dünkte. Jene Schrift enthielt einen einfachen Qufbau. Sie bot 
in einem aufsteigenden Teil drei Stufen der Bewegung: den 
Kampf um eine Selbständigkeit des geisteslebens, den Kampf 
um einen Lharakter des Zeisteslebens, den Kampf um eine Welt 
macht des geisteslebens. Oer absteigende Teil gab ein gesamtbild 
im Uerhültnis zur Zeit, er behandelte dann die einzelnen Haupt 
gebiete. Vurch das ganze ging die Forderung, das zur llufrecht- 
erhaltung des geistigen Lebensprozeffes Notwendige deutlich heraus 
zuarbeiten. Vas Luch (1896) hat zunächst einen begrenzten Kreis 
von freunden gefunden, aber diesen ist es nach ihren Witteilungen 
ein Halt und eine Treude gewesen; dann ist es immer mehr auch zu 
anderen Kreisen vorgedrungen; ich hoffe, in der bevorstehenden 
vierten Auflage noch kräftiger auf die Zeit wirken zu können. 
£s wär und es ist mir völlig klar, dast nur die Lrringung eines 
geistigen Lebensinhaltes die Menschheit vor einem inneren Zerfall 
behüten kann! sie must entweder steigen oder sinken, ein Beharren 
beim gegenwärtigen Stande ist unmöglich. 
Dann aber war mein Hauptaugenmerk auf das Problem der 
Keligion gerichtet, das mich ja von frühester Jugendzeit an be 
schäftigte. Ls war die starke Lmpfindung der Unwahrhaftigkeit 
der gegenwärtigen Lage der Keligion, welche mich zu dem Titel 
„Oer Wahrheitsgehalt der Keligion" wie zu einer Selbstverständ 
lichkeit zwang. Ls galt, den unvergänglichen Kern der Keligion 
von dem zeitlichen gewande zu befreien und ihn in möglichster 
Ursprünglichkeit herauszustellen. Diese Umwandlung mustte dabei 
weit tiefer gehen, als gewöhnlich gefordert wird, auch eine klare 
Auseinandersetzung mit dem geschichtlichen Christentum war un 
umgänglich; ich möchte meinen, dast keine meiner Schriften mehr 
aus meinem eignen Leben hervorgegangen ist; eine eigentliche 
Keligionsphilofophie zu liefern, lag mir dabei fern, mir lag alles 
an einer Konzentration auf die entscheidenden Hauptpunkte.
	        
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