II. Abschnitt. Der Geld- und Kapitalmarkt. 540
lichen Körperschaften, Staat, Gemeinde usw. zugewendet wird, das
hängt von sehr verschiedenen Momenten ab, namentlich Rentabilität,
Sicherheit, Kursgestaltung, Verfügungsfreiheit, Gewohnheit, gewiß
aber auch von der Werbetätigkeit, welche im Interesse des öffent-
lichen Kredites ausgeübt wird.
‚Die im Weltkriege in jedem Staate verausgabten kolossalen
Summen haben eine solche Gestaltung des Weltmarktes hervor-
gerufen, daß die Aufnahmefähigkeit desselben ganz überraschende
Dimensionen annahm, obwohl es auch nicht an privater Verwendung
fehlte, da eine Reihe von Unternehmungen ihr Kapital außerordent-
lich erhöhte und auch viele neue Unternehmungen entstanden.
Namentlich in den kapitalschwächeren Staaten war diese Leistungs-
fähigkeit des Geldmarktes eine gänzlich ungeahnte. Vor dem Welt-
kriege hat eine Kommission von Fachmännern die Leistungsfähig-
keit des österreichischen Geldmarktes für innere Staatsanlehen auf
etwa 200—300 Millionen geschätzt! Die hier kundgewordene
falsche Beurteilung des Geldmarktes warnt davor, daß hinsichtlich
der Gestaltung des Weltmarktes nach dem Kriege kategorische
Ansichten ausgesprochen werden. Wir müßten denn sagen, daß aus
der Leistungsfähigkeit des Geldmarktes im Kriege der Schluß ge-
stattet ist, daß wenigstens im gleichen Maße für die produktive
Friedensarbeit die gleiche Leistungsfähigkeit des Geldmarktes an-
genommen werden muß, freilich nicht zu vergessen der Zerstörung
viele Milliarden betragender Kapitalien.
Auf die Leistungsfähigkeit des Geldmarktes haben namentlich
zwei Momente großen Einfluß: die Menge der zur Verfügung
stehenden Kapitalien und die Organisation des Geldmarktes. Die
erstere hängt namentlich von der Produktivität der Wirtschaft, dem
Sparsamkeitssinn bzw. der Kapitalbildung und bei Inanspruch-
nahme ausländischer Geldmärkte von allen Momenten ab, welche
die Kreditfähigkeit des Staates beeinflussen, wovon wir oben be-
reits gesprochen haben. Besonders wichtig ist die Organisation des
Geldmarktes. Es läßt sich kaum behaupten, daß diese Organisation
bereits ihre Vollkommenheit erreicht hat. Die moderne Bank-
konzentration hat dieselbe jedenfalls befördert, doch haben sich auch
ungünstige Momente, ungünstige Einflüsse geltend gemacht. Auch
der Staat selbst kann einen ungünstigen Einfluß ausüben, wie ja
Frankreich durch die fast sinnlos zu nennende Protektion Rußlands
dem französischen Nationalvermögen große Schäden verursachte.
Von großer Wichtigkeit für den Staatskredit ist es, daß derselbe
nicht in Abhängigkeit von den Finanzkreisen gerate, sondern deren
Gebieter bleibe.
Földes, Finanzwissenschaft. 2. Aufl.
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